Wo Mitsprache wächst, schrumpft rechts
Wer erlebt, dass die eigene Stimme etwas bewirkt, ist weniger anfällig für rechte Parolen. Demokratie verteidigen beginnt im Betrieb.
Nach Wahlen folgt oft die Frage: Wie konnte es so weit kommen? Die Antwort liegt nicht allein im Wahlkampf. Denn Demokratie wird nicht erst am Wahltag verteidigt. Sie wird dort gestärkt oder geschwächt, wo Menschen ihren Alltag verbringen: am Arbeitsplatz.
Rechtsextremismus setzt Demokratien weltweit unter Druck. Auch in Österreich haben sich Strukturen entwickelt, die Menschen bedrohen und unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung angreifen. Doch rechte Erfolge entstehen nicht über Nacht. Sie wachsen dort, wo viele sich nicht gehört fühlen, zwischen Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz oder bei fehlendem leistbarem Wohnraum. Dort, wo Beschäftigte erleben, dass über sie entschieden wird, aber nicht mit ihnen.
Mitbestimmung gegen Ohnmacht
Arbeit darf nicht etwas sein, das Menschen bloß betrifft. Sie muss von ihnen mitgestaltet werden können. Genau hier setzt Mitbestimmung an. Wenn Beschäftigte gemeinsam mit dem Betriebsrat bessere Arbeitszeiten durchsetzen, beim neuen Dienstplan mitreden oder konkrete Verbesserungen auf dem Gehaltszettel erkämpfen, machen sie eine demokratische Erfahrung: Veränderung ist möglich.
Studien belegen: Arbeitnehmer:innen, die mitentscheiden können, fühlen sich stärker mit demokratischen Werten verbunden und sehen sich als Teil unserer Gesellschaft. Sie stimmen seltener autoritären und rechtsextremen Aussagen zu und sind weniger anfällig für Spaltung und einfache Sündenbockpolitik. Internationale Forschung zeigt, dass aktive Beteiligung im Betrieb die Bereitschaft erhöht, auch nach Feierabend gegen Hass laut zu werden.
Gewerkschaftsarbeit ist Antifaschismus
Gewerkschaften stehen für Solidarität, gleiche Rechte und die Würde aller Menschen. Der Einsatz gegen Rechtsextremismus gehört deshalb zum Selbstverständnis der younion. Die Geschichte zeigt, warum das notwendig ist: Im Austrofaschismus und Nationalsozialismus wurden Gewerkschaften verboten, Betriebsräte ausgeschaltet und Arbeitnehmer:innenrechte zerschlagen. Autoritäre Bewegungen wissen genau, warum sie unabhängige Interessenvertretungen bekämpfen: Weil organisierte Beschäftigte lernen, ihre Interessen gemeinsam durchzusetzen und Macht zu kontrollieren.
Gewerkschaften können dem aktuellen Rechtsruck jedoch nicht allein mit Appellen begegnen. Entscheidend sind erfolgreiche Arbeitskämpfe und eine klare Haltung gegen Kürzungspolitik und Spaltung. Kollektive Mitbestimmung verbessert nicht nur Arbeitsbedingungen und Löhne. Wer erlebt, dass Solidarität funktioniert, ist weniger empfänglich für jene, die Menschen gegeneinander ausspielen wollen.
Wer Beschäftigten Mitsprache nimmt, schafft Raum für Frust und Spaltung.
Wer Mitbestimmung stärkt, stärkt Demokratie.
Und wer Demokratie stärken will, muss sie auch im Betrieb verteidigen.
Unfaire Dienstpläne, Personalmangel oder schlechte Arbeitsabläufe nicht nur in der Pause besprechen. Probleme an den Betriebsrat, die Personalvertretung oder die Führungskraft herantragen und gemeinsam Lösungen suchen.
Wenn Kolleg:innen gegen bestimmte Gruppen hetzen oder Vorurteile verbreiten, klar widersprechen. Ein einfaches „So sehe ich das nicht“ zeigt bereits, dass Ausgrenzung keine Mehrheitsmeinung ist.
Betriebsversammlungen besuchen, Anliegen einbringen, BR-Kandidat:innen unterstützen oder selbst aktiv werden. Demokratie funktioniert nur, wenn du dich beteiligst.
Neue Kolleg:innen einbinden, Betroffene von Diskriminierung unterstützen und aufeinander achten. Alltägliche Sorgen lassen sich leichter zusammen austragen.