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Wo Mitsprache die Hauptrolle spielt

Zwischen Kulissen, Kostümen und Krisen ist Simone Betriebsrätin bei den Salzburger Festspielen.

Wer an die Salzburger Festspiele denkt, sieht große Opern, festliche Roben und internationale Stars vor sich. Hinter den Kulissen erinnert vieles eher an einen gut organisierten Handwerksbetrieb. Holzpaletten stapeln sich neben der Schlosserei, Speditionsfirmen liefern Material an, Fahrräder flitzen durch die Gänge des verwinkelten Festspielhauses. Eine Palette mit Spanplatten rollt vorbei – aus genau diesem Material entstehen später jene Bühnenwelten, die das Publikum in andere Welten entführen.

Mitten durch dieses Gewusel geht Simone. Kaum ist sie ein paar Schritte unterwegs, spricht sie eine Kollegin an: „Wo geht es am schnellsten zur Kostümabteilung?“ Simone zeigt den Weg ohne zu zögern. „Vor 30 Jahren habe ich hier ein Praktikum gemacht“, erzählt sie. Seither lässt sie der Theaterbetrieb nicht mehr los.

Plötzlich Verantwortung

Mittlerweile kennt sie nicht nur die Gänge des historischen Gebäudekomplexes, sondern auch die Anliegen der Menschen, die hier arbeiten. Betriebsrätin ist sie jedoch eher zufällig geworden. „Ich dachte an Unterstützung im Hintergrund, vielleicht die Kassa führen oder organisatorisch helfen“, sagt Simone. Wenige Monate später veränderte die Pandemie alles.

Plötzlich stand nicht mehr die nächste Premiere im Mittelpunkt, sondern existenzielle Fragen: Werden die Festspiele stattfinden? Was passiert mit den Beschäftigten? Wie funktioniert Kurzarbeit hier? Für den damaligen Betriebsratsvorsitzenden wurde die Belastung zu groß. Simone rückte nach. „Es gab einfach niemanden mehr, der gesagt hat: Ich mache das.“

Viele Berufsgruppen

Die Anliegen, mit denen Kolleg:innen zu ihr kommen, sind vielfältig. Denn die Salzburger Festspiele vereinen unzählige Berufsgruppen unter einem Dach: Tischler:innen, Schlosser:innen, Schneider:innen, Dramaturg:innen, Bühnentechniker:innen, Archivar:innen oder Mitarbeitende im Publikumsdienst. Es geht um Arbeitsverträge, Einstufungen, Lohnabrechnungen oder Fragen zum Theaterarbeitsgesetz.

Hinzu kommen wirtschaftliche Herausforderungen. Die Festspiele sind ein Fondsbetrieb. Im Gegensatz zu anderen Kulturbetrieben stammt nur rund ein Fünftel des Budgets aus öffentlichen Förderungen, der Großteil muss über Kartenverkauf und Sponsoring erwirtschaftet werden. „Es darf eigentlich keine schlechte Saison geben“, sagt Simone stirnrunzelnd. Das erhöhe Jahr um Jahr den Druck auf den gesamten Betrieb – und damit auch auf die Beschäftigten.

Wie ein Schiff

Gerade deshalb sei Mitbestimmung so wichtig. „Der Theaterbetrieb funktioniert ein bisschen wie ein Schiff“, lacht Simone. „Da gibt es oft einen Kapitän, und der hat die oberste Befehlsgewalt am Steuer. Am liebsten wäre manchen natürlich, wenn niemand aus dem Maschinenraum etwas gegen die Befehle von oben sagt.“

Simone sieht sich in ihrer Funktion dabei als Vermittlerin im sogenannten Maschinenraum: „Manche sozialen Aspekte gehen im Arbeitsalltag einfach unter. Als Betriebsrat übernehmen wir deshalb viel Care-Arbeit und deeskalieren Situationen, bevor sie zum Thema werden und Richtung Geschäftsführung wandern.“

Manche Arbeitskämpfe müssen aber direkt adressiert werden. Besonders stolz ist Simone auf einen Erfolg für Teilzeitbeschäftigte. Viele arbeiteten bisher nach fixen Dienstplänen und konnten deshalb von einer bestehenden Betriebsvereinbarung nicht profitieren.

Nach langen Verhandlungen erreichte der Betriebsrat, dass für diese Kolleg:innen die gesetzlichen Zuschläge bei Mehrarbeit angewendet werden. „Für viele bedeutet das mehr Geld oder zusätzliche Freizeit, das macht schon einen Unterschied.“

Für die Beschäftigten

„Durchs Reden kommen die Leute zusammen“, sagt Simone in unserem Gespräch immer wieder und man glaubt es ihr sofort. Mitsprache bedeutet für sie allerdings mehr als Verhandlungen mit der Geschäftsführung. Zusammen mit dem Betriebsrat organisiert sie Ausflüge, Weihnachtsfeiern oder den Faschings-Teamtag. Beim Mitarbeiter:innenfest schenkt Simone selbst Bier aus. Für die Generalproben der Festspiele organisiert ihr Team Karten für die Belegschaft und achtet auf eine faire Verteilung. Neben ihrem Büro stehen seit kurzem Massagesessel für eine „kurze Verschnaufpause.“

Denn die nächste Herausforderung wartet bereits: 2027 beginnt die Generalsanierung des Festspielhauses. Werkstätten, Bühnen und das Betriebsratsbüro selbst ziehen für mehrere Jahre an verschiedene Standorte um. Künftig wird Simone zwischen den Ausweichquartieren pendeln. Für sie selbstverständlich: „Eine Betriebsrätin muss eben dort sein, wo die Beschäftigten arbeiten.“