Nicht ohne uns!
Für den neuen younion-Wien-Vorsitzenden Bernhard Stoik ist klar: Beschäftigte dürfen nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Im Interview spricht er über echte Mitsprache, starke Personalvertreter:innen und Betriebsrät:innen.
younited: Du sprichst oft von Mitsprache. Warum ist dieses Thema für dich so wichtig?
Bernhard Stoik: Weil Beschäftigte nicht nur zum Funktionieren eines Betriebs da sind. Sie haben ein Recht darauf, ihre Arbeitswelt mitzugestalten. Wer täglich die Arbeit macht, kennt die Realität, sieht die Probleme und weiß oft auch, wie man sie lösen kann. Dieses Wissen zu ignorieren, ist nicht nur respektlos, sondern auch kurzsichtig. Beschäftigte dürfen nicht erst informiert werden, wenn längst alles entschieden ist.
younited: Was bedeutet Mitsprache für dich konkret?
Bernhard Stoik: Mitsprache heißt nicht, fertige Entscheidungen präsentiert und im Nachhinein erklärt zu bekommen. Mitsprache heißt, von Anfang an mit am Tisch zu sitzen. Wenn Städte, Gemeinden oder Betriebe vor Veränderungen stehen, müssen die Mitarbeiter:innen und ihre Vertretungen eingebunden werden. Wir wollen keine Beteiligung zum Schein. Wir wollen echte Mitbestimmung mit klaren und durchsetzbaren Rechten.
younited: Warum wird das Wissen der Beschäftigten trotzdem so oft unterschätzt?
Bernhard Stoik: Weil noch immer zu oft über die Köpfe der Beschäftigten hinweg entschieden wird. Damit muss Schluss sein. Mitarbeiter:innen und ihre Interessenvertretungen verfügen über enormes Praxiswissen. Sie wissen, wo der Schuh drückt und welche Folgen eine Entscheidung im Arbeitsalltag hat. Die Beschäftigten sind keine Verschubmasse. Sie sind die Expert:innen ihrer Arbeit und müssen auch so behandelt werden.
younited: Welche Erfahrungen hast du mit Beteiligungsprozessen gemacht?
Bernhard Stoik: Dort, wo Beteiligung ernst gemeint ist, entstehen bessere und tragfähigere Lösungen. Menschen wollen verstehen, warum sich etwas verändert. Vor allem wollen sie aber mitgestalten können. Nicht zum Selbstzweck, sondern zum gemeinsamen Nutzen. Veränderung darf kein Befehl von oben sein. Wer Maßnahmen gegen die Belegschaft durchdrückt, erzeugt Widerstand und Unsicherheit. Wer die Beschäftigten beteiligt, schafft Vertrauen und macht aus Veränderung ein gemeinsames Projekt.
younited: Welche Rolle spielen dabei Personalvertretungen und Betriebsrät:innen?
Bernhard Stoik: Eine starke Interessenvertretung ist kein Störfaktor und keine Verhinderin. Sie sorgt dafür, dass die Interessen der Beschäftigten nicht unter den Tisch fallen. Personalvertreter:innen und Betriebsrät:innen sind die demokratisch gewählte Stimme der Belegschaft. Mitbestimmung ist uns aber nicht geschenkt worden. Sie wurde von Gewerkschafter:innen erkämpft und muss jeden Tag verteidigt werden. Deshalb brauchen wir starke Mitwirkungsrechte und starke Gewerkschaften.
younited: Wie lebst du Mitsprache in deinem eigenen Team?
Bernhard Stoik: Als Teamplayer ist mir wichtig, zuzuhören und unterschiedliche Kompetenzen zu nutzen. Niemand kann alles wissen. Gemeinsam haben wir aber enorme Erfahrung und Fachwissen. Für mich bedeutet Führung nicht, jede Antwort allein vorzugeben. Es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, klare Entscheidungen zu treffen und gleichzeitig die Menschen einzubinden. Gewerkschaftliche Stärke entsteht durch Zusammenhalt, nicht durch Einzelkämpfertum.
younited: Was ist deine Vision für die Zukunft?
Bernhard Stoik: Ich will eine Arbeitswelt, in der Interessenvertretungen nicht um Mitsprache bitten müssen. Sie sollen von Anfang an Teil der Entscheidungen sein, die ihren Arbeitsplatz und ihre Zukunft betreffen. Eine starke Gewerkschaft bittet nicht um Beteiligung. Sie organisiert die Kraft, Mitbestimmung durchzusetzen. Unsere Botschaft ist klar: Wer die Arbeit der Beschäftigten braucht, muss auch ihre Stimme hören. Wenn es um ihre Zukunft geht, gilt für uns: Nicht ohne uns!