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Yasmo

younion Poetry-Slam

Gleichberechtigt. Selbstbestimmt. Gewaltfrei
younion Poetry-Slam von Künstlerin Yasmo live am Bundesfrauenkongress

Ich liebe Wörter, ich arbeite gerne mit Wörtern, gerne mit vielen Wörtern, aber manchmal, da braucht es gar nicht so viele.
Manchmal reicht ein: Hallo, wie geht’s?
Ein: Ich seh dich.
Oder ein: Brauchst du Hilfe?

Manchmal reichen Drei Wörter.
Wie: Transparenz ist Gerechtigkeit
Drei Wörter, wie: Gestern, Heute, Morgen.
Drei Wörter wie: Bullshit mit Blumenkleid
Oder wie: Gleichberechtigt, Selbstbestimmt, gewaltfrei
Drei Wörter, sagen sich leicht
und dann beginnt die Arbeit!
Ärmel hoch wer ist bereit?

Wir reden über
Bildung und Betreuung,
Wissenstransfer mit möglichst breiter Streuung
Arbeitszeit und Lebenszeit,
Ärmel hoch Wer ist bereit?
Teilzeit und Vollzeit,
Wer erforscht wessen Gesundheit?
Wir reden über
Einkommen und Auskommen,
Führung und wer hat was übernommen
über Karenz und Karriere,
über Aufstieg und Barrieren
über Lohnarbeit und Care

Wir fragen nicht: das macht wer?
Wer betreut?
Wer pflegt?
Wer verdient?
Wer entscheidet?
Wer macht's nebenbei?
Wer nennt es selbstverständlich?
Wer nennt es Arbeit?
Ärmel hoch wer ist bereit?

Wir reden über Alltagsmut und Altersarmut,
über Körper und wem sie gehören,
über Sicherheit weil das selbstverständlich dazugehört,
Wir reden über Entscheidungen und wer sie treffen darf,
über Möglichkeiten und wer sie auch tatsächlich hat.

Gleichberechtigt, Selbstbestimmt, gewaltfrei
Drei Wörter, sagt sich leicht
Und dann beginnt die Arbeit!
Ärmel hoch wer ist bereit?
Wer ist bereit gleichberechtigt zu leben?

Gleich berechtigt.
Gleiches Recht.
Aber nicht dieselbe Wirklichkeit.

Denn gleich ist nicht,
wenn die einen weniger verdienen und die anderen mehr besitzen.

Gleich ist nicht,
wenn Care-Arbeit Arbeit ist, aber oft nicht so heißt.

Gleich ist nicht,
wenn alle Türen offenstehen, aber manche erst einmal die Barrieren davor wegräumen müssen.

Gleichberechtigt ist nicht nur, wenn niemand sagt:
Du darfst nicht.
Sondern auch, wenn niemand fragen muss:
Kann ich mir das überhaupt leisten?

Die Wörter sagen sich leicht, dann beginnt die Arbeit
Ärmel hoch. Wer ist bereit?

Selbst bestimmen.
Selbst entscheiden.
Selbst verdienen.
Selbst vorsorgen.
Selbst gestalten.

Aber nicht:
alles selbst stemmen.
Selbstbestimmung heißt nicht:
Schau, wie du allein zurechtkommst und eine Entscheidung ist nur dann eine Entscheidung, wenn es tatsächlich etwas zu entscheiden gibt.

Wenn Vollzeit möglich ist.
Wenn Teilzeit eine Wahl ist.
Wenn Betreuung da ist.
Wenn Pflege da ist.
Wenn Öffnungszeiten sinnvoll sind.
Selbstbestimmt.

Wenn die Frage nicht lautet:
Was geht sich aus?
Sondern:
Was will ich?

Nicht: Du kannst alles schaffen, wenn du dich nur genug anstrengst.
Nicht: Du kannst alles haben, wenn du nur alles gleichzeitig machst.
Nicht: wenn du dich unterordnest bekommst du Ordnung, wirklich wirklich nicht!
Nicht: Du bist deines eigenen Glückes Schmiedin, und wenn es nicht klappt, hast du wohl nicht fest genug gehämmert.
Wir hämmern und sägen und schleifen gemeinsam Rahmenbedingungen!

Ärmel hoch, wer ist bereit?

Es geht darum selbst entscheiden zu können,
ohne mit jeder Entscheidung gegen die eigenen Lebensumstände ankämpfen zu müssen
Und darum in den Räumen zu sein, wo Entscheidungen getroffen werden.
Selbstbestimmung am Lohnzettel,
am Kalender,
am Arbeitsplatz!

Und dann:
Gewaltfrei.

Frei von körperlicher Gewalt.
Frei von psychischer Gewalt.
Frei von sexualisierter Gewalt.
Frei von ökonomischer Gewalt.
Frei von digitaler Gewalt.

Frei.

Nicht: Sei vorsichtig.
Nicht: Geh nicht allein.
Nicht: Schreib, wenn du zuhause bist.
Nicht: Pass auf dein Getränk auf.
Pass auf, was du anziehst
Pass auf, wem du vertraust.

Nicht immer:
Pass auf dich auf.

Gewaltfrei.
Auch dort, wo wir arbeiten.
Wo wir lernen.
Wo wir ausgebildet werden.
Wo jemand Verantwortung trägt
und sie auch übernommen werden muss.

Gewaltfrei.
Auch hinter verschlossenen Türen.
Denn Gewalt wird nicht privat, nur weil sie zuhause passiert.

Und Hilfe darf nicht davon abhängen,
ob jemand weiß, wohin.
Ob jemand sich traut.
Ob jemand genug Geld hat, um zu gehen.
Ob jemand einen sicheren Ort kennt.

Vielleicht kann dieser sichere Ort
manchmal auch die Arbeit sein.
Eine Kollegin.
Eine Betriebsrätin.
Eine Gewerkschaft.
Jemand, der nicht fragt:
Warum bist du geblieben?
Sondern:
Was brauchst du, um weiterzugehen?

In eine Welt,
die endlich besser
auf Frauen aufpasst.
In eine Gesellschaft, die hinschaut.

Vielleicht müssen wir aufhören,
bei Gewalt immer nur zu fragen:
Was ist passiert?
Und öfter fragen:
Was braucht es,
damit es nicht passiert?

Respekt, Partnerschaftlichkeit, ökonomische Unabhängigkeit
Gleichberechtigt.
Selbstbestimmt.
Gewaltfrei.

Drei Wörter.
Vielleicht sind es doch große Wörter.
Nicht, weil sie kompliziert sind.
Sondern, weil so viel in ihnen Platz haben muss.

So viele Leben.
So viele Geschichten.
So viele Forderungen.
So viele Unterschiede.
So viele Gemeinsamkeiten.

So viele Stimmen.

Eure Stimmen sind abgegeben.
Eure Stimmen werden auch in Zukunft etwas bewegen.
Wissen Sie, Stimmen sprechen Wörter….

Und ich liebe Wörter.
Ich arbeite gerne mit Wörtern.
Gerne mit vielen Wörtern.
Aber vielleicht ist unsere Arbeit dann getan,
wenn wir für manche Dinge
nicht mehr so viele brauchen.
Wenn gleichberechtigt keine Forderung mehr ist.
Selbstbestimmt kein Privileg.
Und gewaltfrei keine Hoffnung.
Sondern drei Wörter, die einfach beschreiben, wie wir leben.

Gleichberechtigt.
Selbstbestimmt.
Gewaltfrei.