ÖGK lässt Rettungskräfte im Stich
Seit Jänner keine faire Erhöhung; Beschäftigte besorgt
Seit Monaten wird über eine angemessene Finanzierung der Rettungs- und Krankentransporte in Wien verhandelt, doch eine tragfähige Lösung ist weiterhin nicht in Sicht. younion _Die Daseinsgewerkschaft und die Gewerkschaft vida üben nun scharfe Kritik an der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK). Das Angebot der ÖGK, die Vergütung nur um 1,5 % zu erhöhen, ist bei einer durchschnittlichen Inflation von mehr als drei Prozent viel zu wenig.
„Die Sanitäter:innen und Notärzt:innen sind 24 Stunden, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr für die Menschen da. Sie übernehmen Verantwortung in schwierigen Momenten, arbeiten unter hoher körperlicher und psychischer Belastung und sorgen dafür, dass die Wiener:innen im Notfall rasch und professionell versorgt werden. Sie dürfen nicht mit einer Kürzung bestraft werden“, sagt Bernhard Stoik, Vorsitzender der younion _ Die Daseinsgewerkschaft in Wien.
Tatsächliche Kosten nicht gedeckt
Selbst bei einer fairen Erhöhung werden die tatsächlichen Kosten eines Einsatzes nicht voll abgedeckt, sie liegen weitaus höher. Die Differenz wird durch Steuergeld und durch Spenden der Bevölkerung gedeckt. Durch das niedrigere Angebot würde die Schere zwischen den tatsächlichen Kosten und der Finanzierung durch die ÖGK nur noch weiter auseinandergehen.
Die hohe Qualität der Wiener Notfallversorgung im Österreichvergleich ist dabei jedenfalls unbestritten. Die Bundeshauptstadt weist den höchsten Anteil an Notfallsanitäter:innen auf, die österreichweit auch über die gesetzlich höchstmögliche Ausbildung verfügen. Diese Qualität führt zu einer unmittelbaren Entlastung des Gesundheitssystems, da mit der höheren Ausbildung viele Maßnahmen direkt bei den Patient:innen durchgeführt werden können.
„Beschäftigte dürfen nicht die Zeche bezahlen“
„Wir machen uns große Sorgen um die Kolleg:innen im Rettungsdienst“, betont auch Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Gewerkschaft vida. „Sie sind immer da, wenn andere Menschen Hilfe brauchen. Sie arbeiten nachts, an Wochenenden und Feiertagen, in belastenden und manchmal lebensbedrohlichen Situationen. Diese Menschen dürfen nicht diejenigen sein, die am Ende die Zeche für eine nicht durchdachte Sparpolitik bezahlen.“
younion und vida fordern die Österreichische Gesundheitskasse auf, die Verhandlungen unverzüglich und mit einem deutlich verbesserten Angebot fortzusetzen. Erst recht, weil die Rettungsorganisationen bereits ein Kompromissvorschlag vorgelegt haben.
„Wenn wir wollen, dass im Notfall auch in Zukunft rasch gut ausgebildete Sanitäter:innen vor der Tür stehen, dann müssen wir auch bereit sein, dieses System ordentlich zu finanzieren. Die Beschäftigten leisten ihren Beitrag jeden einzelnen Tag. Jetzt ist die ÖGK gefordert“, so younion-Wien-Vorsitzender Bernhard Stoik abschließend.