Europapokal-Nächte
Wenn Flutlicht zur größten Bühne wird
Das nächste younited beschäftigt sich mit dem Thema „Nacht“.
Auch Fußballerinnen und Fußballer arbeiten manchmal nachts.
Wenn um 21:00 Uhr der Anpfiff in einem internationalen Bewerb erfolgt, beginnt für Profis die intensivste Phase ihres Arbeitstages – zu einer Zeit, in der viele andere längst Feierabend haben. Europapokal-Nächte stehen für große Emotionen, internationale Bühne und sportliche Höchstleistung. Sie stehen aber auch für spezielle Arbeitszeiten.
Im Kollektivvertrag zwischen der Österreichischen Bundesliga und younion _ Die Daseinsgewerkschaft sind diese besonderen Rahmenbedingungen klar geregelt. Nacht- und Wochenendarbeit sind im Profifußball keine Ausnahme, sondern Teil des Berufs.
§ 10. Arbeitszeit
1.) Die Normalarbeitszeit beträgt grundsätzlich vierzig Stunden wöchentlich. Wochenarbeitszeit ist die Arbeitszeit innerhalb des Zeitraumes von Montag einschließlich Sonntag.
2.) Die Vollarbeitszeit umfasst sämtliche Pflichtspiele in nationalen und internationalen Bewerben, Freundschafts- und Testspiele, Reisezeiten, Trainingseinheiten, Trainingslager sowie Marketingleistungen und Repräsentationstätigkeiten für den Klub und dessen Sponsoren bzw. Partner.
Spezielle und äußerst unterschiedliche Arbeitszeiten sind für Profifußballer:innen der Normalfall. Sie unterscheiden sich deutlich von den üblichen Arbeitszeiten vieler anderer Angestellter. Gleichzeitig ähneln sie jenen im Eishockey oder Basketball – Sportarten, in denen Abend- und Wochenendspiele ebenfalls fixer Bestandteil des Berufs sind.
Als Sportgewerkschaft bringen wir Wissen und Erfahrung von einer Sportart in andere Sportarten ein. Wir kennen die besonderen Belastungen durch internationale Spielpläne, Reisetätigkeit und späte Anstoßzeiten – und setzen uns dafür ein, dass diese Realitäten auch arbeitsrechtlich klar geregelt sind.
Hier der Artikel aus dem aktuellen younited:
Das hält die ganze Nacht wach
Wenn im Stadion das Flutlicht angeht und die Hymne eines UEFA Bewerbs erklingt, wissen Fußballerinnen und Fußballer: Jetzt ist Europapokal-Nacht. Für viele ist es der Moment, von dem sie als Kinder geträumt haben. Spiele in europäischen Wettbewerben sind die größte Bühne des Klubfußballs – Millionen sehen zu, die Aufmerksamkeit ist enorm, das Tempo hoch, die Intensität spürbar.
„Europacup-Abende sind etwas ganz Besonderes. Das Flutlicht, die Stimmung, dieses Knistern im Stadion – das vergisst man nicht“, sagt Stephan Auer, der selbst mit SK Rapid Wien und mit Admira Wacker international gespielt hat. „Aber man darf nicht unterschätzen, wie fordernd diese Tage sind – körperlich und mental.“
Ein Europapokal-Spiel beginnt nicht erst um 21:00 Uhr. Zu Auswärtsspielen reist man schon am Vortag an. Aber auch bei Heimspielen ist der Treffpunkt ist schon um 10:00 Uhr am Vormittag. Umziehen, ein leichtes Training, Abläufe durchgehen. Danach duschen, gemeinsames Mittagessen. Dann geht es ins Teamhotel. Ruhe bewahren, Kräfte sparen - das Warten beginnt.
Je näher der Abend rückt, desto stärker steigen Anspannung und Vorfreude. Gleichzeitig vergeht der Nachmittag quälend langsam – vor allem, wenn der Anpfiff erst um 21:00 Uhr erfolgt. Videos werden analysiert, Gegner studiert, taktische Details besprochen. Am frühen Abend noch einmal etwas essen. Die letzte Ansprache. Fokus. Dann geht es endlich ins Stadion.
Aufwärmen unter Flutlicht. Die Tribünen füllen sich. In der Kabine schwört man sich ein. Ein paar Minuten später rollt der Ball – und aus der langen Vorbereitung wird pure Intensität. Zweikämpfe, Sprints, höchste Konzentration. Manchmal Momente großer Freude, manchmal bittere Niederlagen und tiefe Enttäuschung. Für die internationalen Topstars sind diese Nächte die größte Bühne des Weltfußballs, für viele andere ist es oft die einmalige Chance, sich international zu beweisen.
Gegen 23:00 Uhr ist Abpfiff. Doch der Arbeitstag ist noch lange nicht vorbei. Bei Heimspielen folgt das Essen im Stadion, auswärts im Hotel. Der Körper ist erschöpft – aber das Adrenalin hält wach. „Nach solchen Spielen ist man komplett aufgedreht. Selbst wenn du müde bist, kannst du nicht abschalten“, beschreibt Auer. Die ersten schlafen gegen 2:00 Uhr ein, die meisten gegen 3:00 Uhr. Manche gar nicht.
Nach dieser kurzen Nacht bleibt die Belastung hoch. Reisen, Regeneration, Liga-Alltag – alles folgt Schlag auf Schlag. Europapokal-Nächte sind magisch. Sie sind Antrieb, Motivation und Lohn harter Arbeit. Gleichzeitig zeigen sie, wie intensiv der Beruf des Profifußballers ist.
„Wir haben als Interessenvertretung der Spielerinnen und Spieler, auch die besonderen Anforderungen des internationalen Spielkalenders im Blick. Wir haben es selbst erlebt“, erklärt Auer.
Es sind Momente an die sich Sportlerinnen und Sportler, Betreuerinnen und Betreuer und natürlich auch Fans oft ihr Leben lang erinnern:
Hinter jeder glanzvollen Flutlicht-Partie steht auch ein langer Arbeitstag – und eine noch längere Nacht.
Am Foto: Stephan Auer in der Champions-League Qualifikation gegen Shakhtar Donetsk (UKR)