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Diskussion über den Wirtschaftsmotor Stadt

Immer mehr ÖsterreicherInnen leben in Städten. Tendenz steigend. Wir diskutierten darüber mit prominenten Gästen.

Städte und Stadtregionen erlangen immer mehr Bedeutung für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Europas. Sie sind zentraler Bestandteil unseres Lebens. Mittlerweile leben bereits mehr als 66 Prozent der Menschen in Österreichs Städten und Stadtregionen – Tendenz steigend.

Dies gilt ganz besonders für Wien, das als stark prosperierende Metropolregion in einem positiven Wettbewerb mit europäischen Städten wie Berlin, Prag, Bratislava sowie Madrid und Barcelona steht. Die zukünftigen Herausforderungen finden sich auf unterschiedlichsten Ebenen.

Die Stadtregionen brauchen beispielsweise neue Wohnungen, Arbeitsplätze, Verkehrsinfrastrukturen und sollen gleichzeitig Lebensqualität, soziale Ausgewogenheit und eine intakte Umwelt möglich machen. Herausforderungen die nur mit gezielter langfristig angelegter Politik möglich sind.

Wir diskutierten darüber mit prominenten Gästen - und übertrugen live auf Facebook:

 

Der Nachrichtensender W24 brachte einen Beitrag

 

Das Urban Forum hat 10 Mythen und Fakten zum Thema Stadt gesammelt:

  • Mythos 1: In Österreich gibt es kaum größere Städte außer den Landeshauptstädten wie Graz und Linz sowie der Metropole Wien.
    Fakt ist: 88 Kommunen haben in Österreich mehr als 10.000 EinwohnerInnen (EW), 9 davon über 50.000 EW. In diesen 88 Gemeinden leben rund 48 % der Menschen, während sich die restlichen 52 % auf 2.012 Gemeinden aufteilen.
  • Mythos 2: Abseits der wenigen Städte gibt es nahezu ausschließlich ländlichen Raum.
    Fakt ist: Die Statistik Austria weist 34 Stadtregionen aus. In diesen insgesamt 776 Kommunen leben 5.745.663 EW (Stand 02.06.2016) von rund 8,7 Mio. BürgerInnen unseres Landes, was 66 % entspricht.
  • Mythos 3: Einsatz für die Städte und ihre Interessenvertretungen ist nicht so wichtig, da Österreich ein Land der Kleingemeinden ist.
    Fakt ist: 66 % der Menschen in Österreich leben derzeit in Städten und Stadtregionen. Die „Population Division“ der UNO hat in ihren „World Urbanization Prospects“ („Country profile: Austria“; 2014) berechnet, dass die Urbanitätsrate (Grad der Verstädterung) in Österreich im Jahr 2040 75 % betragen wird. Die Zukunft Österreichs liegt in den Städten, starke Interessenvertretungen sind daher ein Gebot der Stunde.
  • Mythos 4: Die ländlichen Gebiete Österreichs befinden sich in einem Wettstreit mit Wien und müssen sich gegen die übermächtige Bundeshauptstadt zur Wehr setzen.
    Fakt ist: Wien ist eine stark prosperierende Metropolregion, die in einem positiven Wettbewerb mit europäischen Städten wie Berlin, Prag, Bratislava, aber auch Madrid oder Barcelona steht. Sie ist jene Metropole des deutschsprachigen Raumes, die derzeit am stärksten wächst. Eine starke Bundeshauptstadt ist daher nicht nur für das Wiener Umland, sondern für ganz Österreich – und somit auch für den ländlichen Raum – von enormer (insbesondere wirtschaftlicher) Bedeutung.
  • Mythos 5: Die Städte werden vom Bund und den Ländern ohnedies finanziell bevorzugt, daher muss jetzt einmal den kleinen Gemeinden geholfen werden.
    Fakt ist: Der Mythos gründet sich auf den sogenannten abgestuften Bevölkerungsschlüssel, wonach größere Gemeinden pro Kopf mehr Mittel aus dem Steuertopf erhalten. Zweierlei Punkte werden bei einer bloßen Gegenüberstellung der Pro-Kopf-Einnahmen übersehen: 1.) Die theoretisch errechneten Ertragsanteile kommen so bei den Städten gar nicht an, da vorher die Länder ihre diversen Umlagen abziehen. Hierbei zahlen die größeren Städte einen größeren Anteil, wodurch die ursprüngliche Verteilung abgeflacht, teilweise sogar umgedreht wird. 2.) Größere Gemeinden und Städte tragen Aufgaben für ihr Umland bzw. die ganze Region (z.B. Bildungs-, Freizeit- sowie Sporteinrichtungen) und haben somit auch höhere Kosten.
  • Mythos 6: Bei den nächsten Finanzausgleichsverhandlungen muss eindeutig entschieden werden, ob das Geld den ländlichen Gemeinden ODER den urbanen Zentren zu Gute kommen soll.
    Fakt ist: Es geht nicht um Groß gegen Klein. Wir brauchen dringend einen aufgabenorientierten Finanzausgleich. Der Handlungsleitfaden muss „Geld folgt Aufgabe“ lauten. Wer es leistet, muss es kriegen. Dies kann ein entlegenes Bergbauerndorf (mit langen Forstwegen) genauso sein, wie eine Stadt-Umland-Gemeinde (mit Herausforderungen des Hochwasserschutzes), oder eine Bezirkshauptstadt (mit enormem Aufwand für den öffentlichen Nahverkehr). Städte und Gemeinden dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden!
  • Mythos 7: Die Vielzahl der Kleingemeinden macht das ökonomische Rückgrat Österreichs aus.
    Fakt ist: 85 % der heimischen Wirtschaftsleistungen werden in den Städten erbracht, und 71 % der Arbeitsplätze befinden sich in den Ballungszentren. Ohne „Wirtschaftsmotor Stadt“ könnte Österreich ökonomisch nicht überleben. In den ländlich-peripheren Gebieten sind die regionalen Zentren von besonderer Bedeutung und nehmen die lebensnotwendigen Herz- und Lungen-Funktionen wahr.
  • Mythos 8: Österreich wächst bevölkerungsmäßig. Der Zuzug verteilt sich aber ungleichmäßig. Wenn man den Menschen die Vorzüge des ländlichen Raumes, als Siedlungs- und Agrargebiet, besser erklärt, lässt sich die Landflucht eindämmen.
    Fakt ist: Die Bevölkerungszahl unseres Landes wird weiterhin insgesamt wachsen. Starke Zuwächse sind jedoch aufgrund der Ausbildungs- und Arbeitsplatzmöglichkeiten fast ausschließlich in den großen Städten und deren Umland zu erwarten. In den peripheren Regionen des Landes ist dagegen mit Bevölkerungsrückgängen zu rechnen. Damit gehen große Herausforderungen wie die Versorgungsproblematik und Überalterung einher. Der Stärkung regionaler Zentren gerade in peripheren Regionen kommt daher besondere Bedeutung zu, um der ländlichen Bevölkerung vor Ort Möglichkeiten zu erhalten bzw. zu schaffen.
  • Mythos 9: Die BürgermeisterInnen und Verantwortlichen der Städte wünschen sich laufend Zuzug und betreiben diesen aktiv, weil sich größere Gemeinden besser repräsentieren lassen und bedeutender erscheinen.
    Fakt ist: Kein vernünftiger Handlungsträger, ob BürgermeisterIn, Magistratsbzw. Stadtamtsdirektor, oder sonstige maßgeblich verantwortliche Person wünscht sich ein permanentes Bevölkerungswachstum, oder gar eine Verödung der Umlandgemeinden, da ein starker Zuzug die Städte vor enorme organisatorische wie finanzielle Herausforderungen stellt, wenn beispielsweise laufend neue Straßen, Kanalnetze, Kinderbetreuungseinrichtungen oder auch Freizeitanlagen errichtet werden müssen. Insbesondere sogenannte zentralörtliche Leistungen wie Musikschule, oder Hallenbad, die von der ganzen Region genützt werden, stellen für die Städte enorme Lasten dar. Kein(e) BürgermeisterIn der Kernstadt wird daher eine Landflucht herbeisehnen!
  • Mythos 10: Schuld an den strukturellen Schwierigkeiten des ländlichen Raums sind die „Zentralisten“ und Bürokraten mit ihrem städtelastigen Denken. Wenn deren Einfluss zurückgedrängt wird, lassen sich auch die Probleme lösen.
    Fakt ist: „Man kann die Leute nicht annageln“ hat die österreichische Universitätsprofessorin für „Raumplanung und Ländliche Neuordnung“, Gerlind Weber, in einem Interview mit Der Standard 2012 treffend festgestellt. „Die Menschen wandern zum Wohlstand, vor allem die Pendler kehren wieder in die Stadt zurück“ sagt der deutsche Zukunftsforscher und Universitätsprofessor Horst W. Opaschowski. Die BürgerInnen sind heute zu hoher Mobilität gezwungen. Sie wählen ihren Wohnsitz nicht nach Sentimentalität oder Nostalgie, sondern ganz gezielt nach Parametern wie Nähe zum Arbeitsplatz, ärztlicher Versorgung, öffentlicher Nahverkehr, Kinder- bzw. Seniorenbetreuungseinrichtungen, Einkaufsmöglichkeiten etc. aus.

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