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150 Jahre younion

Feste gehören gefeiert. Im Jahre 1869 schlossen sich in Wien die Kutscher mit den Kondukteuren zusammen. Gemeinsam kämpften sie um bessere Arbeitsbedingungen. 150 Jahre später blicken wir zurück. Fazit: Es war spannend – aber gefährlich.

 

 

Fast hätten wir es übersehen. Im Eifer des Tagesgeschäfts wäre uns beinahe das 150-jährige Jubiläum unserer Gewerkschaft durch die Finger gerutscht. Das wäre schade gewesen, die Geschichte ist zu spannend, um sie sausen zu lassen. Zum Glück haben rechtzeitig die Alarmglocken geläutet: Im Dezember ist unsere Festschrift fertig geworden (Herausgeber ist unser „Haushistoriker“ Fritz Keller). Und schon jetzt durften wir eine Expertin zum Interview treffen: die Historikerin im ÖGB-Archiv, Marliese Mendel, reist mit uns durch 150 Jahre Gewerkschaftsgeschichte.

younited: Die younion vertritt heute 150.000 Menschen in mehr als 200 Berufen. Wie hat alles angefangen?

Marliese Mendel: Die younion hat ein weit verzweigtes Wurzelwerk, das ist ein breit gewachsener Baum. Tatsache ist aber, dass sich 1869 – vor 150 Jahren – Wiener Kutscher und Kondukteure der Omnibus-Gesellschaft in einem Fachverein zusammengeschlossen haben, um gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen einzutreten: kürzere Arbeitszeiten und mehr Lohn.

War das ein illegaler Akt?

Ein bisschen illegal. Es gab das Staatsgrundgesetz aus dem Jahr 1867, das auch die Vereins- und Versammlungsfreiheit beinhaltete. Vereine durften zwar gegründet werden, aber es war ihnen nicht erlaubt, sich zu Gewerkschaften zusammenzuschließen. Es galt noch das Koalitionsverbot. Der Verein der Kutscher und Kondukteure aus dem 1. Bezirk durfte nicht mit dem Verein aus dem 5. Bezirk kommunizieren. Als Antwort auf eine große ArbeiterInnendemonstration im Dezember 1869 und den Druck der ArbeiterInnenbewegung unterschrieb Kaiser Franz Josef schließlich die Koalitionsfreiheit von nun an konnten Gewerkschaften gegründet werden. Die Organisatoren der Demonstration wurden verhaftet, vor Gericht gestellt und zu mehrjähriger Haft verurteilt. Ein Schicksal, das sie auch mit anderen sogenannten RädelsführerInnen der ArbeiterInnenbewegung teilten. Und für die Vertrauensleute im Betrieb galt nicht, wie heute, das Betriebsrätegesetz. Ihr einziger Schutz vor Kündigung war die Solidarität ihrer KollegInnen im Betrieb.

Wie gestaltete sich Gewerkschaftsarbeit im 19. Jahrhundert?

Wenn man die Geschichte dieser historischen Vereine anschaut, ist es fast immer das gleiche Strickmuster. Sie haben Forderungen aufgestellt und Mitglieder geworben. Streiks begonnen, manche gewonnen, viele verloren. Verlorene Streiks bedeuteten meistens auch die Selbstauflösung des Vereins, gewonnene Streiks die Auflösung durch die Statthaltereien. Die Gewerkschaftsidee vom großen Haus des ÖGB entstand dann während der Widerstandszeit im Austrofaschismus und wurde 1945 umgesetzt. Das kann man auch im Geschichtsbuch eurer Gewerkschaft nachlesen.

Die Obrigkeit hat sich diese Aktivitäten gefallen lassen?

Nein, die haben vehement dagegengesteuert, wo sie nur konnten. Im Jahr 1884 ermordeten Anarchisten zwei Polizeibeamte und der Staat verhängte als Antwort den Ausnahmezustand über Wien und Umgebung. Was zur Folge hatte, dass die Behörden viele Gewerkschaftsvereine auflöste.

Gab es Gegenwehr?

Natürlich. Gegen die Auflösung des Vereins konnten die GewerkschafterInnen nichts tun. Meist wurde der Verein aber an anderer Adresse neu gegründet. Es gibt die Geschichte vom Komponisten der ArbeiterInnenhymne „Lied der Arbeit“, Josef Scheu. Er gründete im Jahr 1870 den Wiener Musikerverein. Das hat ihn seine privilegierte Stelle als Hornist am Burgtheater gekostet, konnte ihn aber nicht davon abhalten, 1872 noch einmal einen Bund zu gründen. Der prompt von der Behörde aufgelöst worden ist. Es folgte die Gründung des nächsten Wiener Musikervereins. Das ist klassisch. Allerdings war‘s auch gefährlich.

Ein Herzstück unserer Gewerkschaft war schon früh der Gemeindedienst.

Der große Organisator der Gemeindebediensteten war Hermann Schulz. Soweit bekannt ist, war er im Steueramt tätig, im 15. Bezirk, und offenbar bis ins Jahr 1918 vollkommen unpolitisch. 1918 gelang es ihm, 45 Wiener Klubs und Fachvereine zum Verband der Angestellten der Gemeinde Wien zusammenzuschließen, und im Jahr darauf eine österreichweite Organisation zu schaffen: den Reichsverband der Gemeindeangestellten. Nach seinem Tod im Jahr 1926 lebte sein Gedanke weiter, dass nur große Gewerkschaften große Erfolge erzielen können. In den harten Zeiten der Wirtschaftskrise in den 1930er-Jahren schlossen sich die Organisationen der Bundes-, Landes- und Gemeindebediensteten zusammen. Gemeinsam vertraten sie 250.000 Mitglieder.

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