Zum Hauptinhalt wechseln
EPSU Pflegestrategie

LV Christian Jedinger zur Pflegestrategie auf EU-Ebene | EPSU

Landesvorsitzender Christian Jedinger, Vizepräsident im „Ständigen Ausschuss Lokale und Regionale Verwaltungen“ der europäischen Gewerkschaft EPSU (Europäische Gewerkschaftsverband für den Öffentlichen Dienst) berichtet aus Brüssel zur Pflegestrategie.

Rückblick:

Die Europäische Kommission hat im September 2022 ihre Europäische Pflegestrategie veröffentlicht. Die begleitenden Empfehlungen des Rates zur Kinderbildung (FBBE) und zur Langzeitpflege (LTC) wurden nun von den 27 Mitgliedstaaten angenommen.

Mit der Annahme am 8. Dezember 2022 verpflichten sich alle EU-Mitgliedstaaten, die Grundsätze der beiden Ratsempfehlungen auf nationaler Ebene umzusetzen. Der wachsende Bedarf an qualitativ hochwertigen, leistbaren und für alle zugänglichen Sozialdienstleistungen und die damit verbundenen Herausforderungen müssen von den Mitgliedstaaten dringend und zügig angegangen werden, fordern die europäische Gewerkschaft EPSU gemeinsam mit den Arbeitgebern im sozialen Dienstleistungssektor.

 

Die gemeinsamen Forderungen von EPSU mit den Arbeitgebern:

 

  • Die Zahl der Menschen, die eine Langzeitpflege benötigen, wird bis 2050 um 23 % ansteigen.
  • Der Sektor birgt ein hohes Beschäftigungspotenzial: Bis 2050 werden mehr als 1,6 Millionen Langzeitpflegekräfte benötigt, um die Versorgung auf dem derzeitigen Niveau zu halten.
  • Trotz der wachsenden Nachfrage ist es aufgrund der niedrigen Löhne und der anspruchsvollen Arbeitsbedingungen in diesem Sektor schwierig, Arbeitskräfte zu gewinnen und zu halten.
  • Mehr als ein Drittel der Beschäftigten in diesem Sektor sind zwischen 50 und 64 Jahre alt.
  • Da 90 % der beruflich Pflegenden Frauen sind, trägt die niedrige Entlohnung in diesem Sektor erheblich zum geschlechtsspezifischen Lohngefälle in Europa bei.
  • Da es an leistbaren, zugänglichen Sozialdiensten mangelt, übernehmen viele Angehörige - die überwiegende Mehrheit von ihnen sind Frauen – privat die Pflegeaufgaben.
  • Die sozialen Arbeitgeber und die europäische Gewerkschaft EPSU unterstützen die Grundsätze der EU-Pflegestrategie und die Forderung nach einer angemessenen, nachhaltigen öffentlichen Finanzierung der Sozialdienste und der Arbeitskräfte.
  • Im Einklang mit den Empfehlungen des Rates fordern die sozialen Arbeitgeber und EPSU die EU-Mitgliedstaaten auf, jetzt zu handeln, um:
  • Angemessene und nachhaltige Finanzmittel für Langzeitpflege, Kinderbildung und andere Sozialdienste bereitzustellen.
  • Koordinierungsmechanismen für Langzeitpflege, Kinderbildung und andere Sozialdienstleistungen in Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern einzurichten, die politische Maßnahmen und Investitionen konzipieren, umsetzen und überwachen sollen. Diese Maßnahmen sollten die Qualität und Zugänglichkeit von Pflegediensten sowie die Arbeitsbedingungen in diesem Sektor verbessern.
  • Durch den allgemeinen Zugang zu erschwinglichen Sozialdienstleistungen sollte sichergestellt werden, dass die Pflege daheim immer eine Wahlmöglichkeit und keine Notwendigkeit ist. Die Mitgliedstaaten sollten auch Zwischenlösungen und Unterstützung fördern, um die Teilnahme von Frauen am Arbeitsmarkt zu erleichtern.
  • Durch KV-Verhandlungen und KV, die durch den sozialen Dialog auf EU-Ebene unterstützt werden können, sollten hochwertige Arbeitsplätze und gute Arbeitsbedingungen für professionelle Pflegekräfte sichergestellt werden. Neben einer ausreichenden Finanzierung ist der soziale Dialog der Schlüssel zur Gewährleistung von Kollektivverträgen mit angemessenen Löhnen, guten Arbeitsbedingungen sowie Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Die erwartete Einrichtung eines Ausschusses für den sektoralen sozialen Dialog auf EU-Ebene für soziale Dienstleistungen durch die Europäische Kommission wird dazu beitragen.
  • Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern zur Verbesserung der Qualifikationen und zur Behebung des derzeitigen Personalmangels. Dies kann durch die Verbesserung der beruflichen Aus- und Weiterbildung in diesem Sektor, den Aufbau von Karrierewegen und einen attraktiveren Berufsstatus, die Legalisierung und den Schutz von irregulären Pflegekräften, von denen viele in der häuslichen Pflege tätig sind, und die Bekämpfung der Geschlechtertrennung erreicht werden.
EPSU Pflegestrategie