pixabay / mohamed hassan

WHO-Studie: Zu langes Arbeiten kann tödlich sein

Lange Arbeitszeiten von 55 Stunden und mehr pro Woche erhöhen deutlich das Risiko eines vorzeitigen Todes.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) analysierten Daten aus 2.300 Erhebungen aus über 150 Ländern und Ergebnisse aus knapp sechzig Studien und veröffentlichten diesen Monat ihre Schätzungen bezüglich des Zusammenhanges von langen Arbeitszeiten und Erkrankungen. Demzufolge arbeitet fast jede zehnte Arbeitskraft weltweit 55 Stunden pro Woche oder mehr. Laut dieser globalen Analyse ist das zu viel und erhöht das Risiko, daran zu sterben.

Hohes Gesundheitsrisiko für Menschen ab Mitte 40

Betroffen sind vor allem Menschen im mittleren und höheren Alter, die mit Mitte 40 und danach länger als 35 bis 40 Stunden pro Woche gearbeitet haben. Laut Studie dauert es ungefähr zehn Jahre, bis sich die Folgen von langen Arbeitszeiten drastisch zeigen. Nach Schätzungen der WHO und der ILO verstarben im Jahr 2016 weltweit ca. 745.000 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 398.000 Menschen an Schlaganfällen, nachdem sie mindestens 55 Stunden gearbeitet haben. Diese Zahlen bedeuten seit dem Jahr 2000 einen Anstieg der Todesfälle aufgrund von Herzerkrankungen um 42 Prozent und aufgrund von Schlaganfällen um 19 Prozent. 


Die gesundheitlichen Auswirkungen langer Arbeitszeiten sind zwar grundsätzlich für Frauen und Männer gleich, doch sind die Todesfälle bei Männern besonders auffällig. Der Grund dafür liegt darin, dass in etlichen Weltregionen Arbeit im Haushalt nach wie vor Frauensache ist und diese nicht in den Statistiken erfasst wurde.
Ein besonders hohes Gesundheitsrisiko haben laut der Studie auch Menschen im westpazifischen Raum, in Südostasien, in Afrika und in Südamerika.
In Europa und Nordamerika hingegen sind die ArbeitnehmerInnen durch starke Arbeitsschutzrichtlinien vor Überarbeitung eher geschützt. Aber auch hier zeigen sich aktuell immer mehr Probleme.

Anstieg von psychischen Erkrankungen im Job durch Corona

Im Zuge der COVID-19-Pandemie hat sich die Situation um die Arbeitsbelastung verschlimmert. Der Trend zu längeren Arbeitszeiten wurde durch die Pandemie verstärkt. Viele ArbeitnehmerInnen (vor allem Frauen) im Homeoffice neigen aufgrund der Doppelbelastungen zur Selbstausbeutung. Sie arbeiten länger als im Büro, oft bis spät in die Nacht, wenn die Kinder schlafen. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen immer mehr und die Gefahr der „interessierten Selbstgefährdung“, der Gefährdung der eigenen Gesundheit aus Interesse am beruflichen Erfolg, steigt.

Das Ergebnis der globalen Studie besagt, dass 55 oder mehr Stunden pro Woche mit einem geschätzten 35% höheren Schlaganfallrisiko und einem 17% höheren Risiko für das Sterben an Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sind als 35 bis 40 Stunden pro Woche.

Um die Gesundheit der arbeitenden Menschen zu schützen, fordern die WHO und die ILO daher Regierungen auf, diesbezüglich Gesetze, Vorschriften und Richtlinien einzuführen, umzusetzen und durchzusetzen, die obligatorische Überstunden zu verbieten und maximale Arbeitszeitbeschränkungen zu gewährleisten.
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus: „Kein Job ist das Risiko eines Schlaganfalls oder einer Herzerkrankung wert.“

Artikeln zur WHO-/ILO-Studie

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0160412021002208
https://www.who.int/news/item/17-05-2021-long-working-hours-increasing-deaths-from-heart-disease-and-stroke-who-ilo