Schulter an Schulter
Bernhard Stoik wird mit September neuer younion-Landesvorsitzender in Wien. Christian Meidlinger bleibt Bundesvorsitzender. Ein gemeinsames Interview über schwierige Verhandlungen, Mitgliederbeteiligung und Kaffeesucht.
younited: Was bedeutet Schulter an Schulter für euch?
Christian Meidlinger: Gewerkschaftsarbeit funktioniert nur, wenn man Schulter an Schulter für eine Sache einsteht und eintritt. Nur dann kann man gemeinsam viel erreichen.
Bernhard Stoik: Für mich bedeutet Schulter und Schulter auch eine Partnerschaft mit Personalvertreter:innen und Betriebsrät:innen. Die Gewerkschaft darf man nicht isoliert betrachten, sondern als großes Ganzes. Schulter an Schulter bedeutet für mich aber auch, gemeinsam gegen äußere oder gegen politische Widerstände aufzutreten.
younited: Wie war eigentlich eure Zusammenarbeit in der Vergangenheit? Wie habt ihr voneinander profitiert?
Christian Meidlinger: Ich habe Bernhard in mehreren Funktionen kennenlernen dürfen. Von der Jugend über die Bildung bis hin zum jetzigen Schwerpunkt: Kollektivverträge und Besoldungsentwicklung, den er auch weiterhin besetzen wird. Bernhard hat sich unglaublich entwickelt und bereits viele schwierige Verhandlungen geführt. Wir haben eine gute Kommunikation auf kurzem Wege. Ich schätze ihn sehr.
Bernhard Stoik: Genau genommen war Christian mein erster Chef, als ich in der YOUNG younion, damals noch GdGKMSfB, begonnen habe. Christian behält in jeder Situation den Gesamtüberblick und stellt auch immer den menschlichen Part in den Mittelpunkt. Wir haben in den vergangenen Jahren gemeinsam viel erreicht, zum Beispiel das Jobticket in Wien. Aber es geht nicht immer nur um Einzelmaßnahmen, sondern um eine stabile mittel- bis langfristige Entwicklung für alle Arbeitnehmer:innen.
younited: Habt ihr Tricks bei schwierigen Verhandlungen?
Christian Meidlinger: Bei Verhandlungen sitzen bleiben und Zähigkeit und Hartnäckigkeit zeigen. Wer aufsteht, verliert. Und natürlich Fachwissen mitbringen. Unsere gesamte Organisation ist unglaublich kompetent, wir sind ein tolles Team, das die Stärken jedes Einzelnen sehr schnell einsetzen kann.
Bernhard Stoik (lachend): Vielleicht ist es auch die Kaffeesucht gepaart mit Enthaltsamkeit. Wir funktionieren auch ohne Kalorienzufuhr über sehr viele Stunden. Aber ernsthaft: Wir wissen, dass wir als Vertretung von vielen Kolleg:innen am Tisch sitzen. Das motiviert sehr. Und dann geht es natürlich auch immer darum, dass wir Lösungen mit den Verhandlungspartner:innen finden, egal wie lange es dauert.
younited: Du bist ja auch Marathonläufer …
Bernhard Stoik: Auch das hilft natürlich. Der Sport gibt Ausdauer. Wobei ich in den vergangenen Wochen leider nicht viel zum Trainieren gekommen bin.
younited: Wie wollt ihr, Schulter an Schulter mit den Mitgliedern, in die gewerkschaftliche Zukunft gehen?
Christian Meidlinger: Wir, und damit meine ich auch unsere Mitglieder, durchleben gerade keine einfachen Zeiten. Wir sind als Gewerkschaft dafür da, dass alle trotzdem ein möglichst gutes Leben führen können. Da geht’s um das Gehalt, aber auch um Arbeitsbedingungen. Da gibt es viel zu tun in der Zukunft. Es war auch noch nie so wichtig, Gewerkschaftsmitglied zu sein.
Bernhard Stoik: Wir verstärken auch unsere MitgliederBeteiligungsprozesse, zum Beispiel in Form von Vertrauenspersonenkonferenzen. Gerade in schwierigen Zeiten ist es wichtig, dass wir eng zusammenrücken – und auch gemeinsam neue Ideen und Lösungen entwickeln.
younited: Eine sommerliche Abschlussfrage: Wo ist eigentlich euer Lieblingsplatz in Wien?
Christian Meidlinger: Entlang des Marchfeldkanals mit dem Fahrrad. Da gibt’s wunderbare Natur.
Bernhard Stoik: Eindeutig der Naschmarkt. Mediterranes Flair, gutes Essen, Wiener Lebenskultur. Ein alter traditioneller Markt – einfach großartig.