Ohne Wasser kein Dasein
Wasserversorgung ist ein zentraler Baustein der Daseinsvorsorge. Aber wie kommt das Wasser vom Berg ins Glas? Ein Lokalaugenschein in Innsbruck.
Es geht mit dem Auto den Berg hinauf – mitten auf die Nordkette oberhalb von Innsbruck. Vorbei an grünen Bäumen, engen Straßen und einer Aussicht, die den Atem raubt. „Im Berg verlaufen zahlreiche Leitungen und Quellfassungen“, erklärt Matthias von der Innsbrucker Kommunalbetriebe AG (IKB), während er zum „Wasserschloss“ fährt.
DAS RAUSCHEN DES WASSERS
Von außen wirkt der Eingang völlig unscheinbar. Kein Hinweis darauf, was sich dahinter verbirgt. Es ist ein Tunneleingang, der in den Berg führt. Es ist kalt und feucht da drinnen. Und je tiefer man in den Berg hineingeht, desto lauter wird das Wasser, das von den Quellen ins Tal fließt.
Matthias öffnet eine Metalltür, ab hier wird es eng und richtig nass. Aus dem Gestein des Berges sprudelt klares Trinkwasser. Für die Mitarbeiter:innen der IKB ist das Arbeiten im Berg nichts Außergewöhnliches. Sie sind oft hier und kontrollieren die Anlagen und die Wasserqualität. Denn damit das Wasser später in Innsbruck aus dem Hahn fließen kann, muss hier oben alles funktionieren. „Durch kontinuierliche Pflege und Instandhaltung stellen wir seit Jahren sicher, dass das Wasser in einwandfreier Qualität unsere Hochbehälter erreicht“, erklärt Matthias.
EINE TAGESRATION AUF VORRAT
Der Trinkwasserbehälter Mühlau befindet sich in erhöhter Lage über der Stadt – ein Haus aus der Nachkriegszeit steht auf einer blühenden Wiese – und darunter liegen die riesigen Behälter mit Trinkwasser. Helmut, von der IKB, ein Kollege von Matthias, öffnet die schwere Metalltür und vor ihm stehen große Stützpfeiler aus Beton inmitten kristallklaren Wassers, das spiegelt. 26.400 Kubikmeter umfassen die zwei Trinkwasserbehälter – eine Tagesration für ganz Innsbruck. „Das Wasser sieht nur jetzt so ruhig aus, aber zuvor durchläuft es zwei Wasserkraftturbinen sowie verschiedene Kontrollsysteme“, erklärt Helmut.
Er holt einen kleinen Apparat aus einem Eimer und überprüft die Temperatur und die Qualität des Trinkwassers. Vier Grad hat es: „Alles in bester Ordnung – man könnte sogar jetzt direkt hier draus trinken. Aber aus Hygienegründen machen wir das natürlich nicht.“
All die Arbeit hier oben ist praktisch unscheinbar. Erst unten in der Stadt wird annähernd sichtbar, was hinter dem so selbstverständlich fließenden Wasser alles getan werden muss.
UNTEN IN DER STADT
Mitten in Innsbruck stehen Bagger neben aufgerissenen Straßen, Arbeiter:innen verschwinden in tiefen Gräben zwischen Rohren, Absperrungen und schweren Maschinen. Während oben im Berg Ruhe herrscht, ist hier Lärm. Presslufthämmer schlagen gegen Asphalt, Schaufeln kratzen über Schotter, irgendwo piepst ein rückwärtsfahrender Bagger.
Die erste Baustelle liegt mitten in einem Wohngebiet. Hier wird eine Transportleitung ausgetauscht – also jene Leitung, die große Mengen Trinkwasser durch die Stadt transportiert. Das Rohr ist sehr breit – Marko von der IKB zeigt darauf: „Diese Leitungen bilden die Hauptadern des Wassernetzes. Fällt hier etwas aus, betrifft das oft große Teile der Stadt.“ Deshalb wird das ganze Netz regelmäßig überprüft, saniert und erneuert.
TROCKENE ROHRE
Von der Transportleitung fließt das Wasser weiter in die Versorgungsleitungen. Tief unten im geöffneten Straßenstück liegt ein altes Rohr, daneben bereits die neue Leitung. Stück für Stück wird die alte Versorgungsleitung ausgetauscht. Florian und Stjepan, die an dieser Baustelle arbeiten, sind routiniert, jeder Handgriff sitzt. „Wir haben vor einigen Tagen einen Brief ausgeschickt, dass die Bewohner:innen für ein paar Stunden kein Wasser haben werden, damit wir hier die Leitung austauschen können.“
DAS WASSER FLIESST WIEDER
Wenige Straßen weiter arbeitet das nächste Team, Lukas und Martin, bereits an einer anderen Stelle. Dort geht es nicht um eine große Leitung unter der Straße, sondern um einen Hausanschluss.
Während der Bauarbeiten werden die Wohnhäuser über ein Ersatzrohr mit Wasser versorgt. Zwischen freigelegten Rohren und Werkzeugen arbeiten die Monteure konzentriert in der engen Baugrube. Für die Bewohner:innen der Häuser bedeutet das am Ende vor allem eines: Dass das Wasser zuverlässig aus ihren Wasserhähnen kommt. „Die Menschen sehen meistens nur die offene Straße“, sagt Lukas. „Aber unter der Erde steckt unglaublich viel Arbeit.“
Für die meisten Menschen beginnt Trinkwasser erst am Wasserhahn. Für das Team der IKB beginnt es tief im Berg.