„Griass di, Herr OBus-Lenker“
Die Obusse in Salzburg fahren täglich sicher durch die Stadt. Doch wer sitzt eigentlich vorne im Bus, passt auf und lenkt? Zum Beispiel Georg. Und das seit 30 Jahren.
Ich muss oft Entscheidungen in einem Bruchteil von Sekunden treffen.“ Georg Renner zieht sich seine schwarze Jacke über das dunkelrote Arbeitshemd von den Salzburger Linien und setzt sich seine schwarze Haube auf. „Da habe ich schon einige Situationen gehabt, die mich noch länger beschäftigt haben, und bei denen ich mir gedacht habe, das hätte ich anders machen können.“
Seit 30 Jahren ist Georg Obus-Lenker in Salzburg. Er kennt jede Linie und die Strecke dazu auswendig: „Das muss man aber auch wissen, das gehört zum Job dazu.“ Um Punkt 12.23 Uhr steht Georg an der Haltestelle Polizeidirektion und wartet auf den Obus Linie 8. Von Salzburg Süd bis zur Salzburg Arena.
FAHRERWECHSEL
Der Bus kommt pünktlich an – der Fahrerwechsel geht schnell. Georgs Kollege steigt aus, sie begrüßen sich und Georg steigt ein. Der Bus muss pünktlich weiterfahren. „Wenn mal ein Kollege nicht kommt zum Ablösen, warten wir ein paar Minuten, aber dann fahren wir weiter“, Georg stellt sich den Sitz ein und schaut kurz in den Rückspiegel. „Auf dem Rückweg werden wir dann abgelöst.”
Die Station Polizeidirektion ist vier Stopps von der Endstation Salzburg Süd entfernt. Es sitzen drei Passagiere im Obus. Alle schauen auf ihr Smartphone – hat einer von ihnen mitbekommen, dass es einen Fahrerwechsel gegeben hat? „Den Leuten ist gar nicht wichtig, wer da vorne sitzt. Die steigen ein und wollen einfach weggefahren werden.“
MIT STROM UNTERWEGS
Georg biegt von der Alpenstraße auf die Hellbrunner Straße ab – zu Mittag ist nicht so viel los auf den Straßen. Bei der Endstation steigen alle Fahrgäste aus – niemand steigt zu. Und dann geht es zurück – wieder hinein in den Verkehr der Stadt. „Am liebsten fahre ich im Frühling und im Herbst Bus. Im Winter ist es so gatschig und im Sommer einfach so heiß. Aber zum Glück ist es mittlerweile klimatisiert im Sommer. Als ich 1996 hier angefangen habe, war der Obus eine Sauna.“
Während Georg lenkt, hängt der Bus am Netz über ihm. Die Obusse – Oberleitungsbusse – fahren mit Strom aus der Leitung über der Straße. Zwei Stangen auf dem Dach verbinden den Bus mit den Drähten. Für Georg heißt das: Er achtet nicht nur auf den Verkehr vor sich, sondern auch auf das unsichtbare Netz über ihm – und weiß genau, wann er die Stromabnehmer ausklinken muss.
Es gibt ein paar Strecken, auf denen die Obusse nicht mit Oberleitung fahren, sondern mit Batterie: „Da brauchen wir dann die großen Busse mit der großen Batterie.“ Aber diese Strecken – ein bisschen raus dem Stadtzentrum – hat Georg gut in Erinnerung: „Bis nach Bergheim bin ich gefahren, und da hatten wir Stammkundschaft – die waren einfach anders. Da gab es ein paar ältere Frauen, die haben mir dann regelmäßig Getränke oder selbstgemachte Buchteln mitgebracht. Das gibt es heute nicht mehr. Da meckern die Menschen schon, wenn der Bus wegen Stau ein paar Minuten zu spät kommt.“
SICHER DURCH DIE STRASSEN
Auf dem Weg zurück in die Stadt steigen immer mehr Menschen ein. Georg lenkt den Obus sicher durch den Mittagsverkehr. Bis 14.16 Uhr – dann hat er Pause. Nach der Pause geht es weiter in den Feierabendverkehr.
Früher ist Georg Lkw gefahren: „Aber zehn Stunden auf der Autobahn sind wie sieben Stunden im Stadtverkehr – da muss man so viel mehr aufpassen – es kann dir jederzeit jemand vor den Bus rennen. Da ist man wirklich geistig ausgelutscht.“
„Erst wenn etwas nicht funktioniert, merken die Fahrgäste, dass wir da sind“, sagt Georg. Und was passiert dann? „Chaos. Stillstand.“ Bis alles wieder funktioniert – und die Menschen einfach einsteigen, ohne darüber nachzudenken, wer sie nach Hause bringt.
Aber am Ende geht es auch um die Sicherheit. Georg ist für die Menschen da und bringt sie von A nach B. „Und wenn alles funktioniert, dann fährt man zufrieden nach Hause.“
ZAHLEN UND FAKTEN ZU DEN OBUSSEN IN SALZBURG
- Fahrgastzahlen im Jahr: 35 Millionen
- 128 KM Liniennetz-Länge Oberleitung
- 129 Aktive OBusse
- 332 Lenker
- 6,5 Millionen zurückgelegte Kilometer
- 100 % Emissionsfrei
- 4.658 Sitzplätze, 13.948 Stehplätze