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Die Hüter des Lichts

Daniel Krakhofer von der Wiener Magistratsabteilung 33 kümmert sich untertags darum, dass es auch in der Nacht hell ist. Wir haben ihn und seine Kollegen begleitet.

Die Leute sind es gewohnt, dass es hell ist in Wien.“ Daniel Krakhofer von der Magistratsabteilung 33 zieht seine gelbe Schutzjacke an und schlüpft in die Sicherheitsschuhe – mit Schutzkappe und Isolierung vor Stromschlägen. Die MA 33 kümmert sich in Wien um das öffentliche WLAN, Uhren, Ampeln und die Straßenbeleuchtung. „Das ist typisch Wien – hier ist alles mehr oder weniger selbstverständlich. Die Wiener:innen nehmen es zur Kenntnis, aber hinterfragen es nicht.“
Heute werden 15 alte Leuchten in Wien auf neue LED-Leuchten umgerüstet. Dafür geht es zuerst ins Lager. Die Halle ist hell und luftig, überall stehen Holzkisten herum, in denen Lampen verstaut sind: „Wir haben angefangen, die neuen Lampen in Holzkisten zu lagern, das ist einfach viel nachhaltiger, weil wir die Kisten wiederverwenden können“, sagt Georg Meixner, ein Kollege von Daniel. Er nimmt den Karren mit den 15 vorbereiteten Kisten und schiebt ihn zum Laster. 

LICHTER FÜR DIE STADT
In Wien gibt es rund 133.000 Straßenlampen, die von der MA 33 nach und nach auf LED umgerüstet werden. Der Ort zum Lampentausch an diesem Tag: der Parkplatz gegenüber vom Zentralfriedhof. Das sei ein guter Ort für den Austausch, meint Daniel: „Oft müssen wir mitten auf der Straße stehen bleiben und das ist einfach sehr stressig, weil die Autos dann um uns herumfahren müssen und hupen.“
Zuerst geht es zum Sicherungskasten. „Zu Hause muss man den Strom ausmachen, wenn man die Birne wechselt. Wir machen den Strom an“, lacht Georg, während er den Hebel umlegt.
Sofort wird der ganze Parkplatz hell erleuchtet. „Aber wir haben eine eigene Sicherheitsschulung gemacht, deshalb dürfen wir das.“
Während Daniel sich die Sicherheitsausrüstung anlegt, bereiten seine Kollegen die neue Lampe vor. Die richtigen Kabel werden herausgelegt, die Lampe wird in die Hebebühne gelegt und die Flex wird noch einmal überprüft. Für jeden einzelnen Standort wird vorher genau errechnet, wie hoch die Lampe sein soll, und wie stark sie scheint.
Für den Parkplatz wird eine Lampe mit der Beschriftung „E07“ ausgepackt – nicht die hellste, aber auch nicht die schwächste. 

ZWÖLF MINUTEN PRO LAMPE
Mit Helm, isolierten Schuhen und Sicherungsgurt steigt Daniel in die Hebebühne des Lasters. Vier Meter über dem Parkplatz sitzt die alte Lampe auf dem Laternenmast. Mit geübten Handgriffen löst er die Kabel und schraubt die alte Lampe ab. Dann ertönt der hohe Ton einer Flex. Georg, der unten alles beobachtet, nickt: „Wir müssen kürzen, wenn der Mast etwas zu lang ist – die neue Lampe muss gut draufpassen.“
Die neue Lampe ist in einem dunklen Grau gehalten und – anders als die alten Lampen – rund statt länglich. Die Lampen wurden eigens für Wien von der MA 33 entwickelt, damit im Fall der Fälle immer Ersatzteile nachproduziert werden können.
Die neue Lampe wird angeschraubt, das Kabel angeschlossen und keine zwölf Minuten später leuchtet sie schon über dem Parkplatz. Zwölf Minuten: So lange dauert der Austausch einer Leuchte im Durchschnitt. Bis zum Schichtende um 15.30 Uhr ist der gesamte Parkplatz umgerüstet. 

WENN WIEN DUNKEL WÄRE
In Wien ist es immer hell. Egal ob es Tag oder Nacht ist. „Wenn ich nachts unterwegs bin, dann merke ich schon, wie wichtig Beleuchtung ist. Licht hat einfach viel mit einem Sicherheitsgefühl zu tun“, sagt Daniel. Und was passiert, wenn es die MA 33 plötzlich nicht mehr geben würde? Nach und nach würden die Lichter ausgehen in der Stadt und die Ampeln würden ausfallen. Wien würde sehr schnell dunkel werden.
Durch die neuen LEDs werden 60 Prozent Strom eingespart. Gleichzeitig verursacht die Stadtbeleuchtung nur noch etwa ein Prozent der Lichtverschmutzung. Während seit 2016 die alten Leuchten durch neue LEDs ausgetauscht werden, läuft bei der MA 33 der Schichtbetrieb weiter. Kaputte Lampen und Ampeln werden repariert, umgefahrene Masten wieder aufgestellt und die Beleuchtung der Stadt wird geplant und optimiert.
„Viele nehmen es schon so als selbstverständlich hin, dass es leuchtet, dass sie sich direkt beschweren, wenn mal etwas nicht gleich hell ist“, sagt Daniel, während er das Kabel der alten Leuchte einrollt. „Aber ich versteh es auch. Licht hat einfach auch was mit einer Lebensqualität zu tun.“

ZAHLEN UND FAKTEN ZUR STRAßENBELEUCHTUNG DER STADT WIEN

  • Wien ist seit 1688 beleuchtet
  • Rund 160.000 Leuchtkörper gibt es in der Stadt
  • Straßenbeleuchtung verursacht dank LEDs nur etwa 1 % der Lichtverschmutzung
  • Seit 2016 werden 133.00 Lampen auf LED umgerüstet
  • LED-Lampen halten bis zu 17 Jahre