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Auch Sauber ist nicht selbstverständlich

Wer räumt deinen Mist weg? In Simmering ist es Daniela Redl von der MA 48.

"Da vorne", sagt Daniela und zeigt auf den Gehsteig gegenüber. Was für andere einfach grauer Asphalt ist, ist für sie eine Landkarte: ein zerknüllter Kassazettel, eine Tschick-Packung, ein Plastiksackerl im Wind. „Man braucht den Blick fürs Detail“, sagt sie. „Mir springt das Papierl schon von weitem ins Auge.“ Mit einem routinierten Griff verschwindet es im Sack.
Daniela arbeitet seit elf Jahren bei der MA 48, der Wiener Magistratsabteilung für Abfallwirtschaft und Straßenreinigung. Davor war sie 13 Jahre bei der Post – ebenfalls draußen, ebenfalls zu Fuß unterwegs. Ein Bürojob? Für sie unvorstellbar. „Ich brauch die Bewegung an der frischen Luft. Das ist pure Entspannung.“

ARBEIT GEGEN WINDMÜHLEN
Der erste Mistkübel des Tages. Daniela steckt den Universalschlüssel an, die Klappe springt auf, dann raschelt es, als der Mist nach unten rutscht. Ein prüfender Blick auf das Aschenröhrchen, ein Griff zu den Hundesackerln. Weiter geht’s. „Halt die City pretty!“, steht auf dem Kübel. Viel treffender lässt sich ihr Job kaum zusammenfassen. Der nächste Kübel, der nächste routinierte Griff.
Mindestens 10.000 Schritte legt sie täglich zurück, bei Wind und Wetter, im Rhythmus der Jahreszeiten. Am liebsten ist ihr der Frühling mit milden 20 Grad und wenig Wind. Denn der ist ein Gegner ihres Berufs: Kaum ist der Mist im Kübel, kann eine Böe ihn wieder hinausblasen. „Quasi eine Arbeit gegen Windmühlen“, lacht sie.

KÖRPERLICHE ARBEIT
Im Sommer flimmert die Hitze über den Asphalt, Insekten schwirren rund um die Kübel. Im Herbst klebt nasses Laub schwer am Boden. „Das Aufheben geht schon an die Substanz“, sagt sie. Im Winter beginnt der Tag oft noch früher. Bei starkem Schneefall übernimmt Daniela zusätzlich den Winterdienst, oft schon ab drei Uhr morgens oder bis in den späten Nachmittag hinein. „Da meldet sich der Körper dann nach Feierabend“, sagt sie. Und fügt gleich hinzu: „Aber ich bin zufrieden. Man verdient nicht schlecht, und ich will bis zur Pension bleiben.“ 

SOFORTIGES ERGEBNIS
Zu ihrem Alltag gehört alles, was die Stadt liegen lässt. Manchmal auch Kurioses: gefladerte Geldbörsen, Nummerntafeln, brauchbares Geschirr. Wirklich unangenehm sind für Daniela nur zwei Dinge: Erbrochenes und schlecht verschlossene Hundekotsackerl. „Der alltägliche Mist ist kein Problem.”
Am meisten gefällt ihr das Ergebnis: „Man sieht sofort, wo ich unterwegs war“. Dazu kommt der Kontakt mit Menschen. Ein kurzer Plausch hier, ein Schmäh dort. Ein älterer Herr ruft ihr im Vorbeigehen scherzhaft zu: „Nehmen’s mich ein Stückerl mit!“ und zeigt auf ihren Mistwagen. Daniela lacht. „Solche Begegnungen gibt’s oft.“

UNSICHTBAR IN ORANGE
Und doch bleibt ein Gefühl: Unsichtbarkeit. „Wir werden oft als selbstverständlich gesehen“, sagt sie. Trotz leuchtend oranger Uniform kommt es vor, dass jemand direkt neben ihr einen Tschick auf den Boden wirft. Sie erlebt bis heute, dass sie als Frau in dieser Tätigkeit nicht immer ernst genommen wird. „Vor allem, wenn ich Männer auf etwas hinweise.“ Daniela zuckt mit den Schultern. „Aber es wird besser.“

UNSICHTBAR UNVERZICHTBAR
Ihr Arbeitstag endet gegen 14.30 Uhr, nach einer Dusche am Standort. Doch ganz ablegen lässt sich die Arbeit nicht: „Früher hab ich mich nach Feierabend auch ständig gebückt, wenn ich was gesehen hab“, erzählt sie. Heute kann sie es eher liegen lassen.
Fest steht: Was heute liegen bleibt, ist morgen wieder Teil ihrer Arbeit. Kein Mist verschwindet von selbst. Menschen wie Daniela heben ihn auf. Körperlich fordernd und oft unbemerkt. Sie sorgt dafür, dass Wien jeden Tag ein Stück sauberer ist. Auffallen würde das vielen wohl erst, wenn es nicht mehr so wäre.