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Spurensuche

Nachtdienst hat auch seinen Reiz. Das finden zumindest die beiden Gemeindepolizisten Stefan und Daniel aus Bregenz.

Nachtdienst find ich super, da passiert so viel Action. Einbrüche zum Beispiel werden immer in der Nacht gemacht.“ Stefan zieht seine schusssichere Weste an, steckt die Glock 17 in die Halterung am Gürtel und kontrolliert, ob das Funkgerät eingeschaltet ist. Und dann geht’s los in die Bregenzer Nacht.

Stefan und Daniel haben zusammen die Polizeischule gemacht und seitdem sind sie fast jeden Einsatz als Team zusammen in Bregenz unterwegs. Sie arbeiten bei der Stadtpolizei – angestellt bei der Gemeinde, nicht beim Bund. Verbrecher:innen suchen sie natürlich auch. 

Bauchgefühl

„Das kann von null auf 100 gehen zu jeder Tageszeit, aber in der Nacht ist jede:r erstmal verdächtiger als am Tag“, Daniel setzt sich auf den Beifahrersitz des blauroten Polizeiautos. Stefan fährt: „Naja, am Tag sind alle draußen unterwegs und arbeiten. Aber was haben die Menschen nachts auf der Straße zu tun? Da geht dann doch schneller mal der innere Alarm los – besonders wenn jemand sich sehr auffällig verhält.“

„Das Bauchgefühl ist sehr wichtig für die Polizeiarbeit", so Stefan. Das entwickelt sich mit der Zeit, wenn eine Situation einem ein komisches Gefühl gibt, dann können sie sich meistens darauf verlassen, dass hier etwas faul ist.

Bereits auf dem Weg durch Bregenz fällt ein Auto auf, das Probleme beim Anfahren hat. Blaulicht an, Blinker setzen und der schwarze Audi fährt direkt zur Seite. „Guten Abend. Einmal Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte.“ Die Kontrolle ist Routine, das haben beide schon viele Male gemacht. Nach fünf Minuten darf das Auto weiterfahren. Bei der Eiseskälte hat der Motor gestreikt. „Bei solchen Momenten schauen wir aber genau hin, besonders in der Nacht ist der Drogenkonsum sehr hoch. Seit einiger Zeit registrieren wir mehr Drogenfälle als Alkoholdelikte.“ 

Beschuldigtenvernehmung

Die Polizisten steigen wieder in ihr Dienstauto und fahren zu ihrem ersten Einsatz: Sie sollen einem Mann eine Ladung zur Beschuldigtenver- nehmung aushändigen und ihn am besten gleich mitnehmen. Die Nacht ist verschneit, doch das blaurote Polizeiauto fährt sicher durch die Bregenzer Innenstadt. Ziel ist ein Mehrfamilienhaus aus den 70ern. Stefan klingelt. Der Mann sei ihnen bereits bekannt, erklärt er: Er habe versucht, Autos auszuräumen, dabei aber seine Spuren im Schnee hinterlassen, und sei auch in ein Gartenhäuschen eingestiegen. Im ersten Stock öffnet die Mutter die Tür: „Was hat er jetzt schon wieder getan?“ Ihr Sohn sei nicht zu Hause, aber in etwa einer Stunde zurück. Sie notiert Stefans Telefonnummer. Draußen schüttelt Stefan den Kopf: Er bezweifelt, dass sie anrufen wird. Solche Einsätze enden oft so – frustrierend, aber Alltag.

In der Nacht sind die meisten Verdächtigen daheim anzutreffen. „Es ist angenehmer für alle, wenn wir sie von daheim aus mitnehmen können und nicht von der Arbeit aus, wenn alle Kolleg:innen es mitbekommen.“ 

Daniel checkt sein Funkgerät. Zeit zum Durchatmen bleibt nicht – eine Alarmanlage in einem Privathaus ist losgegangen. Blaulicht an und das Duo fährt los. Privatpersonen können gegen eine Gebühr ihre Alarmanlage mit der Polizei verbinden lassen. „Naja“ sagt Stefan, „wenn du den Service in Anspruch nimmst, dann wirst du schon etwas mehr zum Absichern in der Wohnung haben als einen Fernseher.“ Vor Ort ist die Bundespolizei schon da – Fehlalarm, ausgelöst durch den Schnee. Die Polizist:innen scherzen miteinander – die Straße zum Haus ist steil und durch den Schnee und die Kälte eisig. Gemeinsam schlittern sie die Straße hinunter, wünschen sich eine gute Nacht. Stefan lacht: „Wehe jemand wünscht mir eine ruhige Nacht – wenn nichts passiert, mag ich das gar nicht. Ich brauch die Action – auch um wach zu bleiben.“ 

Die Polizist:innen scherzen miteinander – die Straße zum Haus ist steil und durch den Schnee und die Kälte eisig. Gemeinsam schlittern sie die Straße hinunter, wünschen sich eine gute Nacht. Stefan lacht: „Wehe jemand wünscht mir eine ruhige Nacht – wenn nichts passiert, mag ich das gar nicht. Ich brauch die Action – auch um wach zu bleiben.“ 

Eier an der Hauswand

Es schneit immer heftiger, als der nächste Funkspruch eingeht: Jugendliche haben ein Wohnhaus mit Eiern beworfen und sind geflüchtet. Es sei nicht das erste Mal, erzählt die Anruferin. Stefan und Daniel fahren los. Vor Ort öffnet die Frau sofort die Tür, zieht sich noch rasch eine Jacke an. Das Haus steht in einer ruhigen Wohnsiedlung, die Gärten sind schneebedeckt. Die zwei Polizisten schauen sich um – die geworfenen Eier kleben an der Hauswand. „Das gilt dann schon als Sachbeschädigung, und so eine Fassade zu reinigen kann richtig teuer werden.“ Stefan spricht ruhig mit der Frau und notiert sich alles. Stefan und Daniel packen die Taschenlampen aus, fotografieren die Hauswand und suchen nach Hinweisen. Durch den Schnee sind die Schritte der Jugendlichen zwar zu erkennen, aber der neue Schnee hat die Spuren schon leicht überdeckt. „Der Fall wird aufgenommen und dokumentiert und wir werden uns in der Gegend umhören, ob jemand etwas gesehen hat.“ Und dann geht es wieder in die verschneite Nacht. 

Die Nachtschicht bei der Bregenzer Stadtpolizei geht von 18 Uhr bis 7 Uhr morgens. Daniel fährt nach Dienstende nach Hause zu seiner Familie, Stefan hält noch kurz beim Bäcker an. Ein Schokocroissant, dann geht auch er schlafen. Die Action, von der Stefan am Anfang der Nacht gesprochen hat, besteht nicht immer aus Festnahmen – oft sind es kleine Einsätze, Bauchgefühl und ständige Bereitschaft. Und wenn Bregenz erwacht, haben sie ihre Nachtschicht hinter sich.