Die gute Laune ist harte Arbeit
Steve Hope ist seit 16 Jahren DJ – und damit Nachtarbeiter.
Arbeitszeiten? Nein, das kann ich nicht genau sagen.“ Steve lacht, seine Arbeitszeiten sind immer unterschiedlich. Aber eines ist sicher – wenn er arbeitet, dann immer nachts. Denn Steve Hope ist DJ.
Auch wenn jede Nacht zu einer anderen Uhrzeit beginnt, läuft ein Abend ähnlich ab. Eine Stunde vor dem Auftritt ist er im Club – Steve spielt normalerweise mindestens drei Stunden. „Weniger spiele ich nicht.“ Diese Zeit vor dem Gig nutzt er, um anzukommen, sich mit Veranstalter:innen abzustimmen, die Atmosphäre aufzusaugen. Er sagt allen Hallo, trinkt Wasser, beobachtet das Publikum. Dann geht es los: Die Lichter flackern, der Bass dröhnt, die Tanzfläche füllt sich langsam.
Steve weiß vorher, mit welchem Song er starten und enden will. Ansonsten macht er das individuell: „Das ist auch die Kunst bei einem DJ – dass du eine Story erzählst, eine Harmonie zwischen den Tracks schaffst und auf den Abend und die Leute im Club eingehst. Ich will aus den Tracks was neues erschaffen und sie nicht nur aneinanderreihen.“ Für ihn ist Auflegen keine bloße Abfolge bekannter Songs, sondern ein Dialog mit dem Raum, mit der Stimmung, mit den Menschen vor ihm.
DJ-Gewerkschaft
16 Jahre lang ist Steve schon als DJ unterwegs. Erst seit eineinhalb Jahren übt er den Beruf nicht mehr in Vollzeit aus, stattdessen engagiert er sich verstärkt gewerkschaftlich. Der Wendepunkt kam während der Pandemie: „Wir waren die ersten, an denen gespart wurde.“ Clubs schlossen von einem Tag auf den anderen, Aufträge fielen ersatzlos weg. Viele Kolleg:innen meldeten sich bei ihm – Menschen, die plötzlich ohne Einkommen dastanden und durch sämtliche sozialen Netze fielen.
„Auch heute werden die DJs einfach vergessen. Wenn ein DJ in einem leeren Club auflegt, kommt oft danach der Satz, ob man nicht die Gage kürzen könne.“
Dabei ist das Einkommen schon so nicht üppig. Ein bis zwei Auftritte am Wochenende - von dem Geld müssen dann neue Tracks, Versicherung, Equipment, Fahrtkosten hin und zurück zum Gig bezahlt werden. „Da bleibt am Ende des Monats nicht viel übrig."
Nachleben
Früher war er jede Woche Donnerstag bis Sonntag unterwegs. „Teilweise hatte ich dann jeden Abend in einer anderen Stadt einen Auftritt. Da ging es nur vom Flieger in den Club, dann ins Hotel und wieder weiter.“ Reisen, Soundchecks, Warten auf den Gig, Spielen und Rückreise gehören zum Alltag dazu.
An einem Wochenende vor einigen Jahren spielte er bis sieben Uhr morgens im Berliner Technoclub Ritter Butzke. Anschließend ging es ins Hotel - kurz duschen, ein Schluck Wasser und sofort wieder weiter. Ab in den Club Sisyphos. Der Club in Berlin ist dafür bekannt, von Freitagabend bis Montagmorgen durchgehend geöffnet zu sein. Um 9.30 Uhr stand Steve dort bereits wieder an den Decks und spielte drei Stunden durch.
„Ich habe im Wintergarten gespielt, in einem halboffenen Raum. Die Sonne hat reingeschienen durch Buntglasscheiben und zwei Menschen haben sich auf der Tanzfläche geküsst. Und das sind dann die Momente, in denen ich weiß: Deswegen mache ich das hier.“
Gesundheitliche Folgen
Das ständige Jetsetten und die kurzen Nächte haben ihre Folgen. Durch das viele Fliegen und die körperliche Belastung hatte Steve schon fünf Lungenrisse. Single war er auch eine lange Zeit: „Du kommst nach Hause, wenn die andere Person zur Arbeit geht. Das macht einfach niemand lange mit.“
Trotz all dem liebt Steve seinen Job. „Eigentlich ist es eine reine Perversion, sich das freiwillig anzutun. Aber man macht so einen Job aus purer Leidenschaft.“
HG 8
Die Kultur- und Sportgewerkschaft HG8 in der younion _ Die Daseinsgewerkschaft vertritt verschiedenste Berufsgruppen der künstlerischen und technischen Bühne, der Musik, Ballett, Film, Medien, Artistik, freie Berufe und Sport. Die HG8 ist Kollektivvertragspartner, liefert umfassende Expertise bei Dienst- und Arbeitsverträgen, bietet Rechtsberatungen und Rechtsschutz. Das Motto „Einzeln sind wir Viele!“ verweist auf das große Vielerlei, das die Kultur- und Sportwelt Österreichs repräsentiert und Österreichs Charme als Kulturnation ausmacht.