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Österreichs Eishockey-Frauen

Spitzensport braucht faire Rahmenbedingungen

Sportlich ist Österreichs Frauen-Eishockey-Nationalteam ganz vorne angekommen. Erstmals haben sie den Aufstieg in die Top Division geschafft und spielen im November bei der Weltmeisterschaft. Doch während Männer im Nationalteam professionell betreut werden, stemmen die Profi-Spielerinnen ihren Erfolg parallel zu Job oder Studium selbst. Ein Team, das längst zeigt, was es kann und endlich gesehen werden muss.

Realität im Frauensport  

Denn hinter dem Aufstieg steckt harte Arbeit. Mindestens sechs Trainingseinheiten pro Woche an verschiedenen Orten, dazu Spiele am Wochenende mit langen Anfahrtszeiten. All das neben Ausbildung und Erwerbstätigkeit, um den Sport überhaupt finanzieren zu können. Für Auswärtsspiele fallen Fahrtkosten an, bei internationalen Turnieren braucht es Urlaubstage. Auch die Ausrüstung muss zu einem großen Teil selbst finanziert werden.

Charlotte Wittich, seit 25 Jahren auf dem Eis und vielfache WM-Spielerin, kennt die Realität im Detail: „Ein Schläger kostet rund 200 Euro, hochwertige Schlittschuhe bis zu 800 Euro.“ Ein regelmäßiger Austausch wäre aus Sicherheitsgründen notwendig – finanziell ist das nicht immer möglich. „Manche Kolleginnen spielen fünf Saisonen mit denselben Schuhen, bei den männlichen Kollegen wäre das undenkbar.“

„Eigentlich verlieren wir Geld, wenn wir in der Nationalmannschaft spielen. In der Zeit, die für Training und Wettkämpfe drauf geht, könnten wir auch arbeiten“, sagt Lena Artner. Die 20-jährige Stürmerin steht seit ihrem vierten Lebensjahr auf dem Eis und spielt heute in der höchsten Spielklasse. Neben der Schule verdiente sie sich bereits jung als Trainerin etwas dazu, heute studiert sie und ist weiterhin auf Unterstützung angewiesen, um für Österreich spielen zu können.

Doppelbelastung als Normalzustand

Auch Teamkollegin Katharina Killius lebt diesen Spagat: „Eishockey ist mein Leben, mein kompletter Alltag dreht sich darum. Nicht zum Training zu fahren, kenne ich nicht.“ Neben Studium und Nebenjob jongliert die 22-Jährige Trainingseinheiten, Spiele und Sozialleben. „Wir opfern sehr viel Zeit fürs Nationalteam, mehr als die Burschen“, sagt Killius. All das für eine Profikarriere? In Österreich kaum möglich. „Ich hätte Hockey gerne zu meinem Beruf gemacht. Aber das geht nur im Ausland. Hier habe ich mich damit abgefunden, dass ich kein Geld damit verdienen kann.“

Trotz allem bleibt die Motivation der Spielerinnen ungebrochen. Die größte Unterstützung kommt oft aus dem privaten Umfeld von Familie, Freund:innen und dem Team selbst. „Meine Vorbilder sind meine Teamkolleginnen“, sagt Killius. Und genau darin liegt die Stärke des Kaders: Zusammenhalt und die Bereitschaft, für den Sport mehr zu geben, als die Rahmenbedingungen eigentlich zulassen.

Erfolg trotz struktureller Hürden

Dass das Team sich international durchsetzt, ist kein Zufall, sondern Ergebnis jahrelanger Entwicklung. „Die Spielerinnen sind immer besser geworden“, sagt Wittich. Lange Zeit hieß es: „Erst müsst ihr aufsteigen, dann verbessern wir eure Bedingungen“, erinnert sich die Verteidigerin. Das Ziel ist erreicht: „Wir spielen jetzt in der Top Division und fahren zur WM. Weiter nach oben geht es nicht.“

Ein Team, das mehr verdient

Im aktuellen Kader des Nationalteams spielen Athletinnen zwischen 17 und 33 Jahren. Was sie antreibt, ist mehr als nur Leistung. „Wir sind stolz, Österreich bei der WM zu vertreten und unsere Leistung zu zeigen“, sagt Artner. Laut Wittich sei die Hauptmotivation dabei klar der Spaß am Eishockey. „Ein weiterer großer Aspekt ist aber auch, dass wir eine wahnsinnige Vorbildfunktion für junge Mädels haben. Ich möchte für diese nächste Generation im Eishockey kämpfen.“

Denn die größte Herausforderung sei nicht das Spiel auf dem Eis. Sondern das System drumherum. Für viele stellt sich irgendwann die Frage, wie lange sich dieser Aufwand ohne finanzielle Absicherung durchhalten lässt. Spielerinnen investieren Jahre in den Sport, ohne die Perspektive, davon leben zu können. Nicht selten ist es nicht die körperliche Belastung, die zum Aufhören zwingt – sondern die wirtschaftliche. 

Sichtbarkeit und Fairness

Mit dem Aufstieg in die Top Division haben die Spielerinnen des österreichischen Frauen-Nationalteams gezeigt, was möglich ist. Nun geht es um den nächsten Schritt. „Wir verdienen Wertschätzung, Sichtbarkeit und die gleichen Bedingungen wie die Männer“, so Killius. Denn die Frage ist nicht mehr, ob sie Leistung bringen. Sondern, wann diese Leistung endlich die Anerkennung bekommt, die sie verdient.

Lena Artner und Katharina Killius gehören zur Weltspitze im Frauen-Eishockey und kämpfen für faire Rahmenbedingungen im Profi-Sport.
© MILA EDER