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Dann arbeiten Sie doch im Spital mit, Frau Abgeordnete!

„Wenn die grüne Abgeordnete Bedrana Ribo die Arbeit in der Krankenpflege so locker sieht, ist sie herzlich eingeladen, eine Woche im Spital und in einem Pflegewohnhaus mitzuarbeiten. Anschließend kann sie sich dann bei den Bediensteten entschuldigen“, sind sich heute, Freitag, Edgar Martin vom „Team Gesundheit“ in der der younion _ Die Daseinsgewerkschaft und Reinhard Waldhör von der GÖD Gesundheitsgewerkschaft einig. Bei der Debatte im Nationalrat am 29. 11. hatte Ribo die Forderung nach einer Schwerarbeiterregelung in der Pflege als „reinen Populismus“ abgelehnt.

„Dass unsere langjährige Forderung nach einer Schwerarbeiterregelung für Pflege- und Betreuungsberufe im Sozialausschuss des Nationalrates keine Mehrheit gefunden hat, ist eine Sache. Wir werden weiter mit aller Kraft darum kämpfen. Aber in einer Demokratie sind Abstimmungsergebnisse zunächst einmal zur Kenntnis zu nehmen. Damit haben wir kein Problem“, betonen die Gewerkschafter.

Das ändere freilich nichts daran, dass es sich bei diesem Ergebnis um eine krasse Fehleinschätzung der Verantwortlichen und um einen schweren Rückschlag handelt: „Lippenbekenntnisse zur nachhaltigen Verbesserung der Arbeits- und Rahmenbedingungen für die Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialbereich haben wir genug gehört. Aber jedes Mal, wenn es um konkrete Umsetzungen geht, lässt die Bundesregierung aus.“

Martin: „Es ist zutiefst ärgerlich, wenn Menschen über Dinge reden, von denen sie keine Ahnung haben. Wer noch nie im Gesundheits- und Sozialbereich tätig waren, kann die Arbeitssituation der Beschäftigten niemals realistisch einschätzen. Die direkte Arbeit mit kranken, pflegebedürftigen Personen und Menschen mit Behinderungen ist zweifelsfrei Schwerstarbeit, schon in pandemiefreien Zeiten!“ „Was jetzt auf manchen Stationen abgeht, mit Personalmangel und täglicher Überforderung, nicht planbarer Freizeit und ständigen Höchstleistungen, ist für Außenstehende nicht nachvollziehbar“, ergänzt Waldhör.

„Dass Frau Ribo im Grünen Parlamentsclub als Bereichssprecherin für Senioren und Pflege fungiert, macht die Sache noch schlimmer“, sind sich die beiden Vorsitzenden einig. Mit ihrer frauenfeindlichen Argumentation – Pflegerinnen blieben zu kurz im Beruf, um als Schwerarbeiterinnen eingestuft zu werden  –  disqualifiziere sich die Abgeordnete eindeutig als Bereichssprecherin.

Beide Gewerkschaften werden nun die Belegschaften nach innen informieren. „Wir werden unsere Kolleginnen und Kollegen aufrufen, sich unmittelbar an die Abgeordnete zu wenden. Wir werden sehen, wie lange sie bei ihrer Position bleibt, wenn sie direkt mit diesen Menschen konfrontiert ist und einen Eindruck davon gewinnt, wie viele Betroffenen es wirklich gibt.“