Zum Hauptinhalt wechseln

„Ohne younion wäre ich nicht da, wo ich bin“

Pia Maria Außerlechner, besser bekannt als Pia Maria, ist Maskenbildnerin am Tiroler Landestheater. Zudem hat sie heuer den Amadeus Award in der Kategorie Song des Jahres, Electronic/Dance mit „Halo“ gewonnen. Im Interview erzählt sie über ihren Ausbildungsweg und wie sie zwei Jobs gleichzeitig schupft.

younited: Der Beruf der Maskenbildnerin ist ein seltener. Wieso ist die Wahl genau auf diesen gefallen?

Pia Maria: Ich habe unbedingt einen kreativen Beruf gebraucht. Dann dachte ich mir „Yo, gehen wir einmal ins Theater“ und so hat sich die Lehre ergeben. Ich liebe es, weil ich kreativ sein und selbstständig Sachen machen kann.

younited: Seit wann sind Sie Maskenbildnerin?

Pia Maria: Ich habe vor vier Jahren angefangen und die dreijährige Lehre absolviert. Da hatte ich Glück, denn Theater tun sich schwer Lehrlinge aufzunehmen, da sie diese extra ausbilden müssen und es einen Mangel an Arbeiter: innen gibt. Seit einem Jahr bin ich für 20 Stunden angestellt. Dadurch kann ich daneben meine Musik machen.

younited: Wie genau sieht so ein Arbeitsalltag als Maskenbildnerin eigentlich aus?

Pia Maria: Ich arbeite meistens am Abend, wenn die Vorstellung ist. Am Vormittag wird meist alles vorbereitet, da bin ich selten eingeteilt. Sobald ich im Theater bin, präpariere ich alles und reinige die Utensilien für die Darsteller: innen. Ich bekomme dann meistens ein Bild von dem Look, den ich dann umsetzen darf.

younited: Welches Projekt war besonders cool?

Pia Maria: Beim Stück „Hase Hase“ durfte ich jemanden blutig mit Schnitt- und Schürfwunden schminken. Das Gesicht sah komplett zusammengeschlagen aus, das war schon sehr cool. Das Besondere ist, dass es ganz viel Abwechslung gibt, weil jeden Monat andere Projekte anstehen.

younited: Wie ist eigentlich das Feedback von anderen Künstler:innen?

Pia Maria: Sie sagen immer, dass ich so ein Sonnenschein bin. Sie schätzen es auch sehr, dass ich mit so einer Gelassenheit bei der Arbeit bin und mir das einfach Spaß macht.  Es ist ja auch unser Job, den Darsteller:innen den Druck zu nehmen. Und sie sind natürlich auch happy mit dem Make-up. Bei manchen Stücken dürfen wir uns auch am Schluss der Vorstellung verbeugen, das ist eine echt tolle Wertschätzung.

younited: Mit welchen Herausforderungen ist man im künstlerischen Bereich konfrontiert?

Pia Maria: Seit ich 18 bin, bin ich Gewerkschaftsmitglied und darüber sehr froh. Es ist gut zu wissen, dass man sich an jemanden wenden kann, wenn es Schwierigkeiten gibt. Besonders in der Lehre habe ich das Angebot genutzt und bin zum Betriebsrat gegangen.

younited: Welche Schwierigkeiten waren das?

Pia Maria: Die Lehre für Maskenbildner:innen gibt es erst seit 2018. Unsere Ausbildnerin wusste damals nicht wirklich, was sie mit uns machen sollte, und da hat uns Bernd Leidlmair, unser Betriebsrat, sehr geholfen. Auch zum Beispiel, wenn es um die Unterkunft von der Berufsschule ging. Und vor allem bei rechtlichen Angelegenheiten.

younited: Als Maskenbildnerin sind Sie hinter der Bühne, obwohl Sie auch Musikerin sind. Wie ist es eigentlich, auf der anderen Seite des Rampenlichts zu stehen?

Pia Maria: Voll geil. Ich lieb´s auch, mich selber für meine Auftritte zu schminken. Das ist meistens einfacher, weil ich genau weiß, was zu meinem Gesicht passt.

younited: Sie haben gerade den Amadeus Award gewonnen, herzlichen Glückwunsch dazu. Inwiefern sind die beiden Jobs daneben vereinbar?

Pia Maria: Dankeschön. Momentan geht sich alles zeitlich aus und ich kann es mir einteilen. Das Theater unterstützt mich dabei sehr, und ich kann mir auch manche Sachen ausleihen, das erleichtert einiges. Es ist ein Geben und Nehmen in der Arbeit, und so lange das so gut läuft, bin ich total happy. Immer wenn es mir möglich ist, bin ich am Proben.

Im Theater tun sie sich schwer, mehrere Lehrlinge aufzunehmen. Dazu fehlt es einfach an Personal.

Pia Maria
Interview: Sophie Brandl