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20 % mehr bei der Schuldenberatung

Mehr denn je ist die Wiener Schuldenberatung gefragt. Ein Gespräch mit Beraterin Gudrun Steinmann.

Wer sind die Menschen, die zur Schuldenberatung kommen?

Die größte Gruppe, die zu uns kommt, ist um die 40 Jahre alt. Das liegt daran, dass ab diesem Alter oft mehrere Ereignisse zusammenkommen. Zum Beispiel müssen Unterhaltszahlungen für Kinder geleistet werden. Das Geschlechterverhältnis der Klient:innen ist recht ausgeglichen, das Bildungsniveauniedrig. Oft ist die höchste abgeschlossene Ausbildung die Pflichtschule bzw. absolvieren viele Verschuldete eine  Lehre. Das erklärt, warum wir jetzt stark auf Prävention in den Berufsschulen setzen. Es ist wichtig, schon in jungen Jahren über Geld zu sprechen.

Wie verschuldet man sich?

Das ist oft ganz einfach. Menschen verschulden sich häufig bei Banken. Meistens kommen sie mit 70.000 Euro Schulden zu uns. Es fängt oft mit einem Überziehungskredit an, jeden Monat wird etwas mehr Geld ausgegeben, als man zur Verfügung hat. Besonders kritisch sind OnlineBestellungen, bei denen Ratenzahlung angeboten wird. Häufig sind es auch Konsumkredite für Elektrogeräte. Oder es sind Kleinigkeiten, die in der Summe viel ausmachen: zum Beispiel ein Handyvertrag, der nicht bezahlt werden kann. Gerade in diesem Jahr spüren wir, dass immer mehr Menschen auf unsere Unterstützung angewiesen sind. Wir haben einen Zuwachs von 10 bis 20 Prozent bei den Neuanmeldungen.

Wie läuft eine Schuldenberatung normalerweise ab?

Das Wichtigste ist, dass Verschuldete mit uns Kontakt aufnehmen. Der erste Termin findet in der Regel telefonisch statt, wo wir uns einen Überblick verschaffen. Dann müssen sich die Klient:innen organisieren und Unterlagen vorweisen. Es folgen weitere Termine bei einer fixen Beraterin, wo das weitere Vorgehen besprochen wird, ob zum Beispiel eine außergerichtliche Lösung möglich ist. Oder ob ein Konkursantrag unumgänglich ist. Während des Konkursverfahrens, das drei bis sieben Jahre dauert, stehen wir den Menschen beratend zur Seite. 

Wie erfolgreich sind Ihre Beratungen?

Meistens fühlen sich die Klient:innen schon nach der ersten Beratung besser: Sie können wieder schlafen und sehen ein Licht am Ende des Tunnels. Die spürbare Erleichterung der Menschen ist, was unsere Arbeit schön macht. Ich erinnere mich an eine Erfolgsstory, an eine Dame, die den Konkurs gemacht hat. Sie war damals Mitte 40 und hat kurz nach einer Krebserkrankung ihren Job verloren. Sie hatte damals eine Teenager-Tochter und wegen ihrer Erkrankung den finanziellen Überblick verloren. Auch war ihr Einkommen gering. Sie hat es aber mit unserer Unterstützung geschafft, die Schulden loszuwerden und schickt uns jedes Jahr eine Danksagung.

 

Interview: Tania Napravnik