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Gerechter Übergang: Soziale Dimension stärker berücksichtigen
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Der Weg zu einer digitalen und nachhaltigen Europäischen Union

Wie wollen wir den Weg hin zu einem digitalen und klimaneutralen Europa erreichen? Diese Frage stellt sich derzeit die Europäische Kommission in einem breit angelegten Beteiligungsprozess, um den Weg für die Zukunft Europas als erster klimaneutraler Kontinent gemeinsam festzulegen.

Ist der Weg bereits das Ziel?
Die Europäische Union hat sich zum Ziel gesetzt, der erste klimaneutrale Kontinent zu werden und Europa bestmöglich in eine digitale und grüne Zukunft zu führen. Ausgehend von der Neuen Europäischen Industriestrategie (2020), dem Europäischen Klimagesetz (2020) und dem Annual Single Market Report (2021) identifizierte die Europäische Kommission vierzehn für die Europäische Wirtschaft relevante und bedeutende industrielle Bereiche, genannt „Ökosysteme“. Auf dem Weg hin zur digitalen und klimaneutralen Zukunft sollen nun Übergangspfade für diese industriellen Ökosysteme entwickelt werden. Dazu braucht es einen breiten Beteiligungsprozess und umfassende Diskussionen zu den unterschiedlichsten Pfaden und Lösungsstrategien.

Nun wird von der Europäischen Kommission zu jedem der vierzehn industriellen Ökosysteme eine Konsultation gestartet, um die wichtigsten Eckpfeiler, Stoßrichtungen und Herausforderungen am Weg zur digitalen Zukunft und zur Klimaneutralität zu identifizieren. Industriepolitisch soll dabei auch auf potenzielle Lieferengpässe, strategische Abhängigkeiten, Investitionsbedarfe und vor allem die notwendigen Kompetenzen, Fähigkeiten und Qualifikationen für den Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft geachtet werden.

Decarbonise this! Die energieintensive Industrie im Wandel
Einer der ersten konsultierten Übergangspfade war jener zur energieintensiven Industrie. Der industrielle Sektor ist für die gesamte europäische Wirtschaft entscheidend, denn er trägt wesentlich zu Wertschöpfung, Beschäftigung und Innovation bei. Außerdem sind die Arbeitsbeziehungen in Ländern mit einer starken industriellen Basis weniger konfliktreich und stabiler. Die Industrie erfüllt auch eine weitere zentrale Funktion im Sinne einer hochwertigen und zeitgemäßen Ausbildung – sowohl für die Erst- als auch für die Weiterbildung. Dies beeinflusst wiederum den Innovationsprozess entscheidend, da gut ausgebildete Menschen auch im Produktionsprozess innovativ sind.

Damit wird auch deutlich, dass die Dekarbonisierung der Industrie nur gelingen kann, wenn ihre enge Verknüpfung mit sozialen Aspekten erkannt wird. Ein Übergang hin zur Klimaneutralität und damit auch zu einer CO2-freien Industrie wird nur erfolgreich sein, wenn die Menschen in den Mittelpunkt der Strategien und Maßnahmen zur Dekarbonisierung gestellt werden. Es braucht deshalb eine Verknüpfung strategischer Ziele, eine enge Verzahnung mit einer aktiven Beschäftigungspolitik und die Berücksichtigung von Verteilungseffekten im Wandel.

Neben den regional stark unterschiedlichen Herausforderungen braucht es außerdem eine entsprechende strategische Begleitung und eine aktive Gestaltung der Veränderung unter Einbeziehung aller relevanten Stakeholder auf allen politischen Ebenen. Ein gerechter Übergang („Just Transition“) muss nicht nur Ziel, sondern Voraussetzung der Bemühungen sein.

Weiterführende Informationen:
AK EUROPA Positionspapier: Industrie-Strategie und KMU-Strategie
A&W Blog: EU-Industriepolitik
A&W Blog: Update zur Industriestrategie

Quellen:
AK EUROPA (Österreichische Bundesarbeitskammer Büro Brüssel), Arbeit & Wirtschaft Blog, Europäische Kommission;