Die Digitalisierung der Arbeitswelt hat das Potential für eine Humanisierung der Arbeit, doch dieses wird sich nicht von selbst entfalten. Die entscheidende Frage ist, wie wir den digitalen Transformationsprozess für menschengerechte Arbeit nutzen können.

Gesundheit, Sicherheit und Inklusion in der Arbeitswelt sind von jeher wichtige Themen, jedoch gewinnen sie im Zuge des demographischen Wandels und des digitalen Transformationsprozesses zusätzlich an Dynamik.

Unsere Gesellschaft befindet sich in einem radikalen Strukturwandel. Auch die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahrzehnten drastisch gewandelt und verändert sich rasch weiter.Beschäftigte erleben an ihrem Arbeitsplatz beschleunigte Veränderungen und tiefgreifende Umstrukturierungen, die die Geschäftsprozesse an neue Möglichkeiten digitalisierter Arbeitsabläufe anpassen sollen.

Die Digitalisierung wird als ein „Sturm“ wahrgenommen, der die Arbeitswelt gründlich durcheinanderwirbelt. Sie verändert Tätigkeiten, Arbeitsprozesse und ganze Organisationen und stellt neben Chancen auchzahlreiche Herausforderungen für Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften dar.

Herausforderungen der Digitalisierung für den Arbeits- und Gesundheitsschutz

Spätestens mit der Digitalisierung wird deutlich: Arbeits- und Gesundheitsschutz ist nicht nur dort notwendig, wo es stinkt, raucht oder kracht. Gerade im Bereich der Dienstleistungs- und Wissensarbeit entwickelt sich die Flexibilisierung der Arbeitsstrukturen und Beschäftigungsformen rasch weiter. Hier spielen psychisch belastende Arbeitsbedingungen, wie hoher Arbeitsdruck, Termindichteund ständige Erreichbarkeit, eine besondere Rolle. Auch der Schutz vor überlangen Arbeitszeiten muss zukünftig Kernelement eines modernen Arbeits- und Gesundheitsschutzes bleiben.

In diesem Kontext entstehen neue Herausforderungen für die Präventionsarbeit und ihre Strukturen, einschließlich der rechtlichen, denn für die Umsetzung und Kontrolle von Maßnahmen zur Förderung von Sicherheit und Gesundheit müssen neue Ansatzpunkte gefunden werden.

Das Arbeiten mit hohen Freiheitsgraden und erhöhten Anforderungen an die Selbstorganisation, erfordert Kompetenzen zur gesundheits- und persönlichkeitsförderlichen Gestaltung. Der Erwerb derartiger Kompetenzen darf nicht der Eigenverantwortung der Beschäftigten allein überlassen werden. Die Dienstgeberin und Führungskräfte bleiben in der Verantwortung, erforderliche Ressourcen und angemessene Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen sowie sozial unterstützende Formen von Zusammenarbeit zu gestalten.

Zweifelsfrei bringen die neuen technologischen Entwicklungen auch viele neue Chancen für die Verbesserung der Inklusion mit sich. Digitale Assistenzsysteme und automatisierte Routinetätigkeiten am Arbeitsplatz können auch ältere MitarbeiterInnen sowie Beschäftigte mit körperlichen – oder Sinnensbeeinträchtigungen unterstützen. Wie bei jedem Veränderungsprozess gilt es dabei, Ängste und Unsicherheiten, sowie mögliche Risiken zu erkennen und diese durch klare Fakten und präventive Maßnahmen zu verringern bzw. zu vermeiden.

Auf gute Rahmenbedingungen kommt es an

Tatsache ist, dass wir die Standards des Arbeits- und Gesundheitsschutzes, die in den letzten 150 Jahren von Gewerkschaften erkämpft wurden, in Zeiten des beschleunigten technologischen Wandels nur dann erhalten werden, wenn wir das Thema ganz oben auf die Liste setzen.

Der Arbeits- und Gesundheitsschutz bedarf innovativer Impulse, um auch künftig zu guter, sicherer und humaner Arbeit beitragen zu können. Bei der Suche nach Antworten muss daher die Betrachtung der heutigen Arbeitsbedingungen den Ausgangspunkt bilden, um daraus Anforderungen an einen modernen Arbeits- und Gesundheitsschutz ableiten zu können.

Wenn sich die Arbeitswelt verändert, dann müssen die Rahmenbedingungen angepasst werden, um Beschäftigte zu schützen. Es muss um eine gemeinsame Gestaltung und um die Beteiligung der MitarbeiterInnen mit ihren spezifischen Erfahrungen und Kompetenzen, aber auch mit ihren Ansprüchen an eine menschengerechte Arbeit gehen.

Das Referat Gesundheit, Humanisierung und Inklusion –Aktiv mitgestalten

Die Digitalisierung mit ihren Herausforderungen wird vielfältige Änderungen und neue Anforderungen vor allem an die Interessenvertretungen mit sich bringen. Die Personalvertretung/der Betriebsrat rückt stärker in den Fokus des digitalen Geschehens und die Ansprüche als gestaltende Kraft im Arbeitsprozess werden deutlich zunehmen.

Das Referat Gesundheit, Humanisierung und Inklusion beschäftigt sich ganzheitlich mit dem Wandel der Arbeit im digitalen Zeitalter. Wir fungieren in diesem Kontext als Drehscheibe u.a. zwischen den Dienststellen der Stadt Wien und ihren Unternehmen, Hauptgruppen, Landesgruppen, internen und externen KooperationspartnerInnen.

Die Hauptaufgaben liegen in der Unterstützung, Beratung, Information und Sensibilisierung bei der Frage nach der optimalen Gestaltung gesunder und sicherer Arbeitsbedingungen sowie Förderung der Arbeitsfähigkeit der MitarbeiterInnen.

Unser Ziel ist es, die möglichen Risiken gemeinsam zu erkennen und bei konkreten Lösungsansätzen und präventiven Maßnahmen zu unterstützen.

Weiteres gehören die Begutachtungen und Erarbeitung von Stellungnahmen zu Richtlinien, Verordnungen und Novellen, wie auch die Mitgestaltungbzw. Anpassung modernisierter Regelwerkean digitale Arbeitsformen zu unseren Aufgabenbereichen.

Es werden noch viele Hürden und Auseinandersetzungen zu bestehen sein, bis der Arbeits- und Gesundheitsschutz auf der Höhe der digitalen Arbeitswelt angekommen sein wird. Aber gemeinsam wird es uns gelingenHandlungsansätze und Konzepte zu entwickeln, um den Prozess der Digitalisierung im Sinne gesunder und menschengerechter Arbeit zu beeinflussen.

AnsprechpartnerInnen

Alternative
Koll.
Sonia Spiess
Maria-Theresien-Straße 11 / 3. Stock / Zimmer 3.01, 1090 Wien
Landesgruppe Wien
Referatsleiterin und Bundesreferentin
Alternative
Koll.
Birgit Edward
Maria-Theresien-Straße 11 / 3. Stock / Zimmer 3.01, 1090 Wien
Landesgruppe Wien
Administrative Mitarbeiterin