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Standesbeamtin: Ein Job mit Aha - Effekt

Die Aufgaben der rund 5.000 österreichischen Standesämter sind vielfältig – und notfalls geht’s aus der Dusche ins Amt.

Ein Interview mit der Expertin Franziska Weber. 

Den Beruf Standesbeamter kennt jeder – oder glaubt es zumindest. Gibt es Aspekte, die in der Bevölkerung nicht bekannt sind?

Von der Bevölkerung wird mit dem Begriff „Standesamt/Standesbeamter“ lediglich das Heiraten wahrgenommen. Das ist aber nur ein Bereich der umfangreichen Aufgaben. Wenn die Leute zu uns kommen, haben sie meist ein „Aha-Erlebnis“, wenn sie die große Palette an Aufgaben kennenlernen.

Gibt es ein Ereignis in Ihrer beruflichen Tätigkeit, das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist? 

Ein Ereignis vor vielen Jahren: Mein Bürgermeister ruft mich an einem
Samstag vormittags an (ich stand gerade unter der Dusche) und erklärt mir, dass vor unserem Rathaus-Standesamt ein Brautpaar mit Hochzeitsgesellschaft steht und heiraten will. Nach Nachfrage stellte sich heraus, dass dieses Pärchen Monate vorher bei einem Mitarbeiter in der Stadtverwaltung angefragt hat, ob es in Neusiedl am See möglich wäre, auch an einem Samstag zu heiraten. Dies wurde daher auch bestätigt, da es ja im Prinzip möglich ist. Sie hatten aber vergessen, diesen Termin zu fixieren, die Unterlagen vorzulegen etc. Da ich dann an diesem Samstag nichts von einer Hochzeit wusste, musste ich Duschen und Haare föhnen im Eiltempo erledigen, zum Rathaus fahren, die Dokumente einer anderen Gemeinde in unser System einarbeiten, Urkunden ausstellen und was es sonst noch alles braucht. Letztendlich konnte die Hochzeit erledigt werden und ich hoffe, dass dieses Pärchen immer noch glücklich verheiratet ist.


Wie wird man eigentlich Standesbeamter oder Standesbeamtin?

Grundsätzlich ist ein Dienstverhältnis zu einer Gemeinde oder einem Gemeindeverband erforderlich oder man ist der Bürgermeister oder der Verbandsobmann. Weiters ist eine Dienstausbildung, die in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt ist, und – falls im Bundesland vorgesehen – eine Dienstprüfung abzulegen. Anschließend ist die Bestellung zum Standesbeamten/zur Standesbeamtin durch den Bürgermeister oder
den Verbandsobmann erforderlich. Diese Bestellung ist nicht notwendig, wenn das zuständige Organ (Bürgermeister oder Verbandsobmann) selber als Standesbeamter tätig wird.


Was sind die größten Schwierigkeiten – besteht am Standesamt Reformbedarf?  

Derzeit liegen – vermutlich durch die Einführung des Zentralen Personenstandsregisters – die größten Schwierigkeiten bei der Schulung der Kolleginnen und Kollegen. Dieses Register kann sinnvoll nur dann befüllt und die Daten weiter gepflegt werden, wenn die Gemeindebediensteten den größten Teil ihrer täglichen Arbeit mit personenstands- und staatsbürgerschaftsrechtlichen Tätigkeiten befasst sind. Leider ist es in der Praxis so, dass das Personenstands- und Staatsbürgerschaftswesen sowohl von vielen vorgesetzten Bediensteten als auch von den politisch Verantwortlichen noch immer als „Randtätigkeit“ gesehen wird. Viele Bedienstete sind zum Beispiel neben Amtsleitung, für Bau-, Finanz-, Sozial-, Kulturangelegenheiten und noch viel mehr auch für das Standesamt verantwortlich. Das kann nur in wenigen Fällen funktionieren! Hierzu ist allerdings eine wichtige Einschränkung anzumerken: Politisch Verantwortliche und vorgesetzte Bedienstete, die selber in diesem Beruf ausgebildet und tätig sind, wissen sehr wohl über diese Problematik Bescheid und sind mit leichtfertigen Aussagen sehr zurückhaltend. Weiters fehlt es vielen Kolleginnen und Kollegen an der notwendigen Zeit, sich in die standesamtliche Fachliteratur einzulesen. Dies ist aber seit vielen Jahren umso wichtiger, weil seit dem Beginn der großen Wanderungsbewegungen – im Großen und Ganzen seit dem Fall des „Eisernen Vorhanges“ – nicht nur Fälle mit „Inlandsberührung“, sondern viele Fälle mit „Auslandsberührung“ zu bearbeiten sind.

Warum macht der Job Freude?

Wir Standesbeamte sind bei der Umsetzung der Gesetze an vorderster Front bei der Bevölkerung. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viel Freude durch die unbürokratische Erledigung von Standesamtstätigkeiten von den Menschen, die in ein Amt kommen, zurückgegeben wird. Man teilt Freude bei der Geburt eines Kindes, bei der Vorbereitung und Durchführung einer Eheschließung sowieso, aber auch die Anteilnahme bei einem Sterbefall. Wenn man da immer hilfreich sein Amt ausübt, ist es voll Freude und Zufriedenheit. 


Standesbeamte auf einen Blick

Österreichweit sind rund 5.000 Standesbeamte/innen für die Bevölkerung im Einsatz. 3.200 von ihnen sind Mitglieder des Fachverbandes.

Ihre Haupttätigkeiten sind die Beurkundung von Geburten, Vornahme von Trauungen und Verpartnerungen, Beurkundung von Sterbefällen und Totgeburten.
Außerdem sind sie zuständig für die Beurkundung und Beglaubigung von verschiedenen Erklärungen wie Vaterschaftsanerkenntnissen, Obsorgeerklärungen, Namensbestimmungen für Kinder, Ehegatten und Wiederannahmen bei geschiedenen oder verwitweten Personen,
Eintragung von Mitteilungen wie Namensänderungen der Bezirksverwaltungsbehörden,Anträge auf Geschlechtsänderungen und Eheauflösungen.

Ein wichtiges Gebiet sind die Führung der Staatsbürgerschaftsevidenz und die Ausstellung von Staatsbürgerschaftsnachweisen.




 

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