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Reportage: Rasch
in die Maske

Der Theaterberuf MaskenbildnerIn konnte lange nicht als Lehrberuf erlernt werden. Nun gibt es den ersten Jahrgang dafür.

Die MaskenbildnerInnen sind so etwas wie ein Bindeglied in der Theaterwelt: Sie arbeiten zwar hinter der Bühne, aber das Ergebnis ihrer Arbeit sieht man auf der Bühne. Zu ihren Aufgaben zählen etwa Schminken, Frisieren, eine wallende Haarpracht zur Glatze polieren, handgefertigte Perücken machen, grimmige und freundliche Masken entwickeln und aufbauen oder plastische Teile wie Nasen- und Ohren-Prothesen herstellen.

Ein bunter Tätigkeitsstrauß

Nicht nur auf den Theaterbrettern werden ihre Kreativität und der Einfallsreichtum geschätzt. Was wären Filme ohne Make-up-Artisten: wie etwa bei Star Wars, Fluch der Karibik oder Walking Dead. MaskenbildnerInnen sind zumeist schon vor den Schauspielern am Set, dafür gehen sie auch oft nach ihnen wieder nach Hause. Ihr Beitrag ist also hoch. Und dennoch: Für diese Tätigkeit gab es bislang keine geregelte
Ausbildung und keinen Lehrberuf – in Österreich.

Wer diesen Lehrberuf erlernen wollte, musste für drei Jahre nach Deutschland auswandern – wo man Maskenbild auch studieren
kann. Dabei werden Maskenbildnerinnen und Maskenbildner von vielen Bühnen, Fernsehsendern oder Veranstaltern dringend gesucht. Nun gibt es den Lehrberuf Maskenbildner/Maskenbildnerin für Theater-, Bühnen-, Foto-, Film- und Fernsehproduktionen mit einer Lehrzeit von drei Jahren auch in Österreich. Vorerst im Probebetrieb.

Erholung im Sommer: 2 Monate frei

Christina Haller und Ines Miriam Panholzer sind zwei von den neuen Lehrlingen. Ihr Arbeitgeber ist das Landestheater Linz, das eines von acht Theater- und Musiktheaterhäusern in Österreich ist, das derartige Lehrlinge ausbildet. Die beiden sind auf unterschiedliche Weise zu diesem Job gekommen:
Christina Haller hat schon am Landestheater gearbeitet und von der neuen Ausbildung intern erfahren. „Ich habe in den Medien vom neuen Lehrberuf gehört und mich gleich gemeldet“, sagt Ines Miriam Panholzer.

Ob sich die Berufswahl als glückliche Wahl erwiesen hat, beantwortet Haller so: „Es ist ein unglaublich abwechslungsreicher Job, der einem viel abverlangt, aber viel zurückgibt. Während wir unter dem Jahr recht intensiv im Einsatz sind, winken im Sommer
zwei Monate Urlaub – da sperrt nämlich das Landestheater zu.“

Beruf hängt am seidenen Faden

Die Zukunft des Lehrberufs als MaskenbildnerIn hängt aber noch am seidenen
Faden. Damit diese Ausbildung auch weiterhin besteht, darf der Zustrom an BewerberInnen für die kommenden Jahrgänge nicht abreißen.

Bis 2023 muss eine gewisse AbsolventInnenquote erreicht werden, damit der Lehrberuf vom Testbetrieb in die Spur der Regelausbildung gerät. Darüber hinaus wird das Projekt in wissenschaftlicher Begleitung evaluiert. Derzeit sind neun Lehrlinge österreichweit dabei. Der Beruf MaskenbildnerIn fällt übrigens in die Kategorie „seltene Berufe“ und ist ein notwendiges und erhaltenswertes Handwerk.

„Eigentlich ist es ein Kunstberuf“, sagt Ines Miriam Panholzer dazu. Für diese Kunst nimmt sie auch einigen Aufwand auf sich. Denn die Berufsschule liegt nicht gleich ums Eck, sondern in Wien. Bislang war die Präsenzphase in der Schule auf zehn Wochen geblockt. Nun wird sie in Fünf-Wochen-Häppchen filetiert, was die Sache etwas angenehmer macht.

Nach der Lehre gute Jobaussichten

Ein guter Grund, diese Ausbildung zu machen, liegt auch darin, dass man nachher ziemlich gefragt ist. Es schränkt sich zwar der Horizont der möglichen ArbeitgeberInnen ein, dafür ist man hochspezialisiert.

Bisher erledigten den Maskenbildner-Job vor allem FriseurInnen, die umgesattelt haben. Oder die Profis kamen aus Deutschland, die auch vielfach in den Masken-Werkstätten entlang der Donau die Leitung innehaben. Jedenfalls ist das Friseurthema eines, das noch Spielraum zum Haare raufen lässt. Denn die Figaros können nach ihrer Lehre gleich direkt in das zweite Lehrjahr beim Maskenbild einsteigen.
Also um präzise zu sein: Sie müssen ins zweite Lehrjahr einsteigen. „Allerdings versäumen sie so im ersten Lehrjahr extrem viel wichtigen Unterricht“, wie Haller und Panholzer unisono sagen. „Der Stoff ist in der verkürzten Zeit, eben in zwei Jahren, nicht nachzuholen. Die Ausbildung ist einfach zu umfangreich“, ergänzt Uwe Wagner, Leiter der Maske am Landestheater Linz.

Das weiß auch Alina Gundacker, die sich im Wiener Theater in der Josefstadt ebenfalls gerade zur Maskenbildnerin ausbilden lässt: „Ich habe vorher die Friseurlehre gemacht und wollte dann eben von vorne beginnen. Ich habe aber nicht
dürfen.“ Hannes Stütz, Betriebsrat am Landestheater Linz: „Von neun Lehrlingen österreichweit bilden wir zwei aus. Wir wollen jedenfalls für die nächste Spielzeit, also 2019/2020, um einen weiteren Ausbildungsplatz erweitern. Aber es muss einfach mehr von den anderen Bühnen kommen.“

Die Ressourcen wären ja vorhanden. In Österreich gibt es rund sechzehn Theaterbetriebe, die alle Vorgaben für eine Lehrlingsausbildung erfüllen würden. Wichtig für alle, die jetzt beginnen
wollen: Eine begonnene Lehre wird jedenfalls bis zum Abschluss geführt.
Egal was ist.

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