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Miet- & Eigentumspreise
steigen enorm an

Viele können sich das Wohnen nicht mehr leisten. Nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa greift die Spekulation nach Betongold, wie Investments in Immobilien genannt werden, um sich.

Sonja und Thomas Berger (beide 27 Jahre) sind seit fünf Jahren ein Paar. Die beiden erwarten im Mai ihren heiß ersehnten Nachwuchs – eine Tochter. Die Freude über den Familienzuwachs ist groß. Aber er bringt auch einen nötigen Umzug mit sich. Denn das hoffnungsfrohe Duo wohnt derzeit auf 60 Quadratmetern. Schon jetzt platzt die Wohnung aus allen Nähten. Zu klein, um darin als Trio zu wohnen, finden die beiden. Immerhin soll die Tochter ein eigenes Zimmer bekommen. Und auch
für später will das Ehepaar vorsorgen – denn die Bergers hätten gerne noch ein zweites Kind. Daher suchen sie nach einer adäquaten Wohnung. Idealerweise sollte ihr neues Domizil mindestens 90 Quadratmeter haben.

Die Suche gestaltet sich allerdings schwierig. „Wir haben uns schon mehr als 40 Wohnungen angesehen. Die, die uns gefallen haben, sind aber zu teuer gewesen“, sagt Thomas Berger. Er ist Gemeindebediensteter und verdient mit seinem Handelsakademie-Abschluss knapp 2.200 Euro brutto pro Monat. Netto bleiben ihm 1.589 Euro übrig. Sonja Berger ist Teilzeitkraft bei einem Steuerberater und erhält monatlich 1.300 Euro brutto bzw. 1.094 Euro netto. In Summe kommen sie auf ein Haushaltseinkommen von 2.683 Euro. Um dieses Geld ginge sich – oberflächlich betrachtet – schon ein flottes Zuhause in entsprechender Größe aus.

Nun aber zum Haushaltsbudget: Vor zwei Jahren haben sich die zwei Wiener ein Auto gekauft, einen gebrauchten Golf. Der hat 15.000 Euro gekostet und wurde per Leasing finanziert. Insgesamt bezahlen sie für den Pkw, einschließlich Raten, Versicherung, Zinsen und Treibstoff, knapp 500 Euro pro Monat. Überdies berappen sie noch knapp 170 Euro pro Monat für Strom, Heizung, Haushaltsversicherung, Internet und Fernsehgebühr. Wenn man da noch rund 300 Euro für Nahrungsmittel abzieht, bleiben vom Haushaltseinkommen gerade noch 1.713 Euro übrig. Die beiden brauchen auch Geld für Kleidung, Essen während der Arbeitszeit und zum Sparen. Wenn man das, äußerst knapp bemessen, noch abzieht, stehen nur noch 1.200 bis 1.300 Euro zur Verfügung.

Während des Gesprächs ruft Sonja Berger, die gerade am PC sitzt, ihrem Mann zu, „du Schatz, ich hätte da etwas“. Sie hat im 17. Bezirk eine 94 Quadratmeter große Wohnung gefunden. Die Küche ist voll ausgestattet und die Wohnung wurde erst vor kurzem neu hergerichtet. Mietpreis: 1.280 Euro. Auf den ersten Blick ginge sich das irgendwie aus. Da darf aber der Geschirrspüler, die Waschmaschine oder sonst nichts kaputt werden. Es dürfte, aber auch die Miete nicht mehr steigen. Und spätestens daran scheitert das Rechen-Manöver. Schon jetzt lägen die Mietkosten bei 45 Prozent des Netto-Einkommens. Das ist sehr hoch. Denn die Mietpreise steigen ständig. In fünf Jahren wäre die Miete, bei weiterem Anstieg wie bisher, schon deutlich über 1.300 Euro. Außerdem möchte Sonja Berger in den ersten vier Jahren bei ihrem Kind bleiben. Auch wenn ihnen damit, trotz Familienbeihilfe und anfänglichem Kinderbetreuungsgeld, ein weiteres Einkommen auf Dauer abhandenkommt. Damit fällt die Wohnung für 1.200 Euro schon einmal flach. Aber darunter gibt es derzeit nichts.

Teuer, befristet, ohne Infos

Doch wie sieht es tatsächlich am heimischen Wohnungsmarkt aus? Die Arbeiterkammer Wien hat dazu vor kurzem eine Studie bei IFES (Institut für empirische Sozialforschung) in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: „Teuer, befristet, keine Maklerinfos – Mieten bei Privaten werden immer mehr zum Luxus.“ Für diese Studie wurden 503 Wienerinnen und Wiener befragt. AK-Präsidentin Renate Anderl: „Die privaten Mietkosten sind in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert. Die Menschen, vor allem junge, stöhnen unter den hohen Mietkostenbelastungen. Mit der Mietkostenexplosion muss endlich Schluss sein.“ Die Arbeiterkammer fordert daher vor allem einen Wohnbonus zur steuerlichen Absetzbarkeit, ein neues Mietrecht mit tauglichen Obergrenzen und Befristungen nur noch in Ausnahmefällen sowie einen Wegfall der Maklerprovision für Mieter und wirksame Sanktionen gegen Mietwucher, und vor allem Maßnahmen gegen Bodenspekulanten und für mehr geförderten Wohnbau.

Gerade für junge Familien empfiehlt sich daher keine Wohnung am privaten Wohnungsmarkt, sondern im Gemeinde oder im geförderten Genossenschaftsbereich.

Die Ersparnis ist ziemlich deutlich: Für eine 72 Quadratmeter Wohnung bezahlt man „kalt“ (mit Betriebskosten und Umsatzsteuer, ohne Warmwasser, Strom und Heizung) über 790 Euro pro Monat. Bei den Gemeindewohnungen beträgt die Bruttomiete 540 Euro pro Monat – das ist um 32 Prozent weniger als im privaten Segment. Für eine Genossenschaftswohnung derselben Größe würden im Schnitt 600 Euro pro Monat fällig, um 25 Prozent weniger als im privaten Segment. Doch es gibt bedrohliche Tendenzen, die diese Förderungen abschaffen wollen. In Deutschland gibt es dazu ein Rechtsverfahren, das Förderungen als wettbewerbsverzerrend tituliert.

Die Miete frisst das Einkommen

Überhaupt lässt das, was sich europaweit gerade abspielt, Sorgen aufkommen. Denn immer mehr Menschen können sich in Europa das Wohnen nicht mehr leisten. 82 Millionen Menschen (das entspricht der Einwohnerzahl Deutschlands) zahlen mehr als 40 Prozent ihres Einkommens dafür, dass sie wohnen können. Gerade auch in Deutschland explodieren die Mietkosten in den Städten regelrecht. Viele Menschen werden daher gezwungen, die Städte zu verlassen, auch wenn einige Unternehmen gerade wieder Dienstwohnungen für ihr Personal bauen. Ein Indikator fällt dabei besonders auf: Es wird zu wenig in bezahlbaren Wohnraum investiert – pro Jahr entsteht eine Investitionslücke von stolzen 57 Milliarden Euro. Damit übersteigt die Nachfrage an bezahlbarem Wohnbau das derzeitige Angebot. Damit ist auch auf die nächsten Jahre keine Erleichterung in Sicht.

Profit mit der Wohnungsnot

Eine Ursache ist auch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Union. Globale Investoren (Hedgefonds, Pensionsfonds etc.) kaufen günstigen Wohnraum auf, um Profit zu machen. Geld wird in Beton investiert. Dafür werden auch gleich schöne Schlagwörter erfunden. Man nennt diese Investments dann „Beton-Gold“, oder wenn es sich um den Kauf von Grundstücken handelt „Land-Banking“, weil die Investoren wissen, dass die Preise so fix steigen wie normalerweise nur auf einem Sparbuch. Wohnen wird heute vielfach als Finanzinstrument gesehen und nicht mehr als Menschenrecht. Während sich Vermögende übersteigende Einnahmen aus ihren Investments freuen können, verzweifeln Wohnungssuchende an den horrenden Kosten. Davon sind vor allem arme Menschen betroffen, die überhaupt keine Wohnungen mehr finden. In Deutschland gab es in den 1990er-Jahren noch 2,87 Millionen Sozialwohnungen mit Preisbindung. Heute sind es nur noch 1,15 Millionen Wohnungen – also fast nur noch ein Drittel. Darüber hinaus wurden kommunale Wohnungsunternehmen in Europa häufig privatisiert – wie etwa in Dresden, Stuttgart, Nürnberg, Berlin. Gerade jetzt fehlen diese kommunalen Wohnungen. In Dresden wird zwar ein kommunales Wohnungsunternehmen gegründet, das ist aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Wertvoller Wohnraum geht ebenfalls durch Kurzzeitvermietungen verloren. Dieses Konzept haben Unternehmen wie Airbnb zu verantworten. Denn die Wohnungseigentümer können mit dieser Form oft mehr Geld verdienen, als wenn sie die Räumlichkeiten an normale Mieter geben. Ein altes Spiel derartiger Firmen: Airbnb bezahlt nur wenig oder gar keine Steuern. Zumindest weniger als herkömmliche Unterkunftsbetriebe (wie etwa Hotels, Pensionen). Und dann gibt es auch noch absurde Bestimmungen, die ebenfalls zu bekämpfen sind: In Ungarn etwa ist Obdachlosigkeit ein Straftatbestand. Ein Grund, warum Menschen etwa nach Österreich oder anderswo in Richtung Europa marschieren.

In Österreich sind nicht nur die Mieten so stark gestiegen, auch die Eigentumswohnungen sind sündhaft teurer geworden – weil Zinshäuser immer häufiger zum Spekulationsobjekt werden. Da bei den Banken keine Zinsen zu generieren sind, holen sich Vermögende ihre Chancen am Wohnungsmarkt zurück. Das treibt wiederum die Eigentums- als auch die Mietpreise in die Höhe. Thomas Ritt, Leiter der Abteilung Kommunalpolitik in der Arbeiterkammer Wien: „Wohnen ist ein Grundbedürfnis und günstige Wohnungen sollen allen zugutekommen. Man muss daher mit aller Vehemenz daran arbeiten, dass das so bleibt.“

 

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