Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen darüber finden Sie unter den Algemeinen Nutzunsbedingungen. Allgemeine Nutzungsbedingungen
younion

E-Mail: info@younion.at
Hotline (01) 313 16 / 8300
Vom Handy: *900

Twitter

Dr. Laferl kennt
die Grippe

Bei einer Grippewelle steht er an vorderster Front – wir baten Oberarzt Hermann Laferl zum Interview über Ansteckung, Schutz und dem Ärger, nicht länger im Bett geblieben zu sein.

Er ist zur Stelle, wenn der Grippe-Virus zuschlägt: Oberarzt Hermann Laferl, Leiter der Infektionsambulanz im Sozialmedizinischen Zentrum Süd in Wien.

younited: Haben Sie auch ein mulmiges Gefühl, in der U-Bahn etwas anzugreifen?
Hermann Laferl: Nein, überhaupt nicht. In der U-Bahn sind zwar viele Keime unterwegs, das ist keine Frage, aber man muss das alles relativieren. Ich sehe immer noch Leute, die rauchen 15, 20, 30, 40 Zigaretten am Tag – das macht ihnen keine Angst, aber in der U-Bahn fürchten sie sich dann vor Viren und Bakterien. Unser ganzes Leben, unser ganzer Körper ist voller Bakterien. Wir haben geschätzt 10x so viele Bakterien wie menschliche Körperzellen. Bakterien sind überall und machen uns ganz einfach nix aus. Und den gefährlichen kann man leider kaum entgehen.

Nicht einmal mit Mundmasken?
Die Filter von diesen normalen Masken sind schwach. Man schützt damit eher die anderen, wenn man selber niest. Gegen die echte Grippe hilft nur eine Impfung. Ich habe schon so viele Diskussionen deshalb geführt, wir wissen aber gesichert, dass sie hilft - auch wenn sie nicht optimal ist. Sie schützt allerdings ‚nur‘ vor Influenza A und B und den Stämmen, die drinnen sind, aber nicht vor dem grippalen Infekt.

Wie oft sollte man sich am Tag die Hände waschen?
Das kommt darauf an, was man macht. Sichtbaren Schmutz sollte man schon wegwaschen, das ist klar. Wenn man im Büro ist, muss man nicht unbedingt 3x die Hände waschen. Außer man niest oder räuspert sich in die Hand, dann ist Händewaschen schon wichtig.

Schützt Desinfektionsmittel vor Ansteckung nicht besser?
Im Spital desinfiziere ich mich natürlich, aber privat absolut nicht. Die übertriebene Sauberkeit ist verantwortlich für diese Epidemie der Allergien in den letzten Jahrzehnten. Es ist nicht so schlecht, wenn man immer wieder Kontakt mit Bakterien und Viren hat – im richtigen Maß natürlich. Als normaler Mensch braucht man sicher kein Desinfektionsmittel.

Warum gibt es Grippe und Schnupfen ausgerechnet in der kalten Jahreszeit?
Eine gute Frage, die noch nicht restlos geklärt ist. Die meisten Bakterien wachsen bei höheren Temperaturen schneller. Manche Viren vermehren sich idealerweise bei 32 Grad, mögen unsere 37 Grad Körpertemperatur gar nicht. Ist es also kühler, fühlen sie sich wohler. Außerdem haben wir im Winter durch die Heizungsluft trockene Schleimhäute mit kleinen Rissen. Da können die Viren besser eindringen. Ein weiterer Punkt ist sicher die nicht optimale Versorgung mit Vitaminen, zum Beispiel dem Vitamin D. Dabei ist es eigentlich kein richtiges Vitamin, weil der Körper das selber synthetisieren kann, nur im Winter hat man einfach weniger Sonne, die dafür nötig ist.

Was kann ich aktiv für mein Immunsystem machen?
Gesund leben, das ist sicher das Wichtigste. Was heißt das? Das heißt: Bewegung machen, Sport machen. Eine gesunde Ernährung – und damit meine ich Mischernährung, die natürlich Obst und Gemüse beinhaltet. Ausreichend Schlaf kommt auch noch dazu. Vor ein paar Jahrzehnten lag die durchschnittliche Schlafdauer bei acht Stunden – jetzt ist sie um eine Stunde weniger. Früher habe ich übrigens immer geglaubt, dass der Körper mehr Kalorien verbraucht, wenn man weniger schläft. Tatsächlich wird man hungriger und isst mehr.

Sie sind bei Grippewellen im direkten Kontakt mit vielen Infizierten – wie oft haben Sie sich schon mit der Grippe angesteckt?
Ich bin voriges Jahr erkrankt, habe mich aber, so komisch das auch klingen mag, nicht im Krankenhaus angesteckt. Ich hatte nämlich frei und die Inkubationszeit bei der Influenza ist relativ kurz. Ich habe leider auch das gemacht, wovon ich immer allen abrate. Als die akute Phase nach drei Tagen vorbei war, bin ich wieder arbeiten gegangen. Ich war dann wirklich drei bis vier Wochen im Eimer. Und habe mich geärgert, dass ich nicht länger im Bett geblieben bin.

Sind Sie nicht gegen die Grippe geimpft?
Doch, natürlich. Aber im vergangenen Jahr bekamen wir nur eine Impfung gegen drei Stämme. Aber genau der vierte, der in einer anderen Impfung enthalten gewesen wäre, hat mich dann erwischt.

Nachgefragt

Was ist eigentlich ein Virus?
Im Gegensatz zu einem Bakterium ist ein Virus kein Lebewesen, da es keinen eigenen Stoffwechsel betreibt. Viren benötigen Zellen von Menschen, Tieren, Pflanzen oder Mikroorganismen, um überleben zu können.
Genau genommen stecken wir uns nicht mit einem Virus an, sondern mit Virionen. So werden Viruspartikel genannt, wenn sie sich außerhalb einer Zelle befinden.
Ist ein Virion in einen Körper eingedrungen, klammert es sich an eine Zelle und injiziert seine DNA. In der Wirtszelle werden daraufhin neue Virionen gebildet. Wenn sie die Zelle verlassen, machen sie sie dabei kaputt.
Viren sind im Grunde sehr einfach aufgebaut, allerdings sehr anpassungsfähig. So sind sie nur sehr schwer zu bekämpfen.
Experten warnen deshalb sehr schnell davor, wenn „neuartige“ Viren Menschen befallen (z. B. die Vogelgrippe H5N1 oder die Schweinegrippe H1N1), denn die Sterblichkeitsrate kann dann blitzartig 60 Prozent erreichen – so wie in Katastrophenfilmen à la Hollywood.
So raffte die Spanische Grippe zwischen 1918 und 1920 bis zu 50 Millionen Menschen dahin. Betroffen waren vor allem 20- bis 40-jährige Menschen.



 

Artikel weiterempfehlen

Impressum

Österreichischer Gewerkschaftsbund

Datenschutz

Newsletterauswahl

Der younion-Newsletter

Geschlecht
Geschlecht:
Name