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Michael Girsa
Lehrer Wr. Rettungsakademie
Field-Supervisor

Die Wiener Rettungsakademie

Die Wiener Rettungsakademie ist für die Aus- und Fortbildung des Einsatzpersonals verantwortlich.
Ein Lokalaugenschein.

Das Blaulicht des Rettungswagens erleuchtet die Garage. Kaum sind die Sanitäter eingestiegen, düst das Fahrzeug schon hinaus in die Dämmerung. Die Zentrale hat das Team zu einem Verkehrsunfall mit Verletzten in der Wiener Innenstadt beordert. Zwei andere Wagen kehren eben von ihren Einsätzen zurück, die Einsatzkräfte verlassen die Fahrzeuge. Sie können nun eine kurze Pause machen – bis zum nächsten Einsatz wird es garantiert nicht lange dauern.

Schulungen für Einsatzpersonal und für Mitarbeiter der Stadt

Michael Girsa tritt seinen Nachtdienst erst in einer Stunde an. Zeit genug, über seinen Job zu sprechen. Girsa ist Lehrer der Wiener Rettungsakademie, die für die Aus- und Weiterbildung des Einsatzpersonals verantwortlich ist; außerdem werden hier Mitarbeiter der Stadt Wien geschult. Girsa ist darüber hinaus Leiter einer neuen Schulstation in Wien-Simmering und als Field-Supervisor unterwegs. Diese Supervisoren sind bei schwierigen Einsätzen dabei, um Feedback zu geben und hohe Qualität zu garantieren aber dazu später mehr. Jetzt geht es erstmals ans Üben. In einem Unterrichtsraum der Rettungsakademie in der Zentrale der Berufsrettung im dritten Bezirk erklärt Girsa die Funktionen eines Beatmungsgeräts. „Nicht zu fest drücken!“ Er spricht und handelt mit jener professionellen, konzentrierten Gelassenheit, die typisch für das Rettungspersonal ist. Er hält das Gerät fest und blickt in die Runde. „Gleichmäßig drücken und auf den Rhythmus achten.“ Was hier in der Theorie an einer Puppe trainiert wird, muss bei echten Einsätzen bis ins kleinste Detail passen. Denn nur wenn jeder Handgriff sitzt und das Rettungsteam genau weiß, was zu tun ist, gibt es keine Ablenkungen und keine Stressreaktionen, die sich negativ auswirken könnten. „Man wird resistenter gegen den Stress, wenn man fachlich auf dem höchsten Level und mit Routine agiert“, sagt Girsa.

Fachliches Wissen ist nicht die einzige Voraussetzung

Rund 800 MitarbeiterInnen arbeiten für die Wiener Berufsrettung, davon sind rund 700 im Einsatzdienst. 120 Fahrzeuge stehen für Einsätze bereit, die von einer der zwölf Stationen in ganz Wien ausschwärmen; dazu kommen fünf weitere Stützpunkte in Spitälern. Girsa selbst ist seit 1995 im Rettungsdienst tätig, angefangen hatte er als Sanitätsgehilfe, wie es damals noch hieß. Er war vor seinem derzeitigen Job unter anderem in der Flugrettung tätig, von wo übrigens viele der Lehrkräfte der Rettungsakademie kommen. Was braucht es aber generell, um als Lehrer in der Rettungsakademie tätig sein zu können? „Einerseits das fachliche Wissen“, erklärt Michael Girsa. Das erhält man durch fundierte Ausbildung und dann vor allem durch jahrelange Praxis, also durch unzählige Einsätze, bei denen es darauf ankam, rasch die richtigen Entscheidungen zu treffen. Andererseits komme es für die Lehrer der Rettungsakademie auf die sogenannten Soft-Skills an, also etwa ein Gespür für die TeilnehmerInnen zu entwickeln und zu wissen, wie komplexe Sachverhalte verständlich gemacht werden können; auch rhetorische Fähigkeiten sind gefragt. Rund 350 Lehrveranstaltungen wurden im Vorjahr von der Rettungsakademie durchgeführt. Für die MitarbeiterInnen der Berufsrettung besteht eine Pflicht zur Fortbildung, in der Schulstation in Simmering kommt dafür unter anderem eine Videoanalyse zum Einsatz.


Neue Technologien erfordern intensive Ausbildung

„Der Rettungsdienst wird technisch aufwendiger“, erläutert Girsa, der sich bereits früh dafür interessiert hat, andere auszubilden und selbst eine Vielzahl von Ausbildungen absolvierte. So können heute unterschiedliche Geräte bereits miteinander kommunizieren und Daten austauschen – beispielsweise werden die Werte eines EKGs direkt ins Krankenhaus gesendet. „Die Technik wird immer ausgereifter.“ Damit auch die Qualität der menschlichen Leistungen auf einem hohen Niveau bleibt, gibt es das zuvor erwähnte System der Field-Supervisors. Diese sind bei schwierigen Einsätzen dabei, beispielsweise bei Wiederbelebungen, schweren Verletzungen oder anderen lebensbedrohlichen Situationen. Sie beteiligen sich selbst allerdings
nur dann am Einsatz, wenn es notwendig ist – etwa wenn ein anderes Team nicht rechtzeitig eintrifft. Sonst beobachten sie den Ablauf ganz genau und geben nach dem Einsatz den KollegInnen ein Feedback, was gut gelaufen ist und was eventuell noch besser gemacht werden könnte. „Wir bieten Unterstützung an, keine Kontrolle“, stellt Girsa klar. Er sieht sich und die anderen Field-Supervisors auch nicht als „Super-Sanitäter“, wie es in einem Medienbericht geheißen hatte. „Es geht um ein Gespräch unter Kollegen, wir sind da oft eher als Moderatoren tätig“, sagt er. Dieses Gespräch unter Kollegen ist generell ein unverzichtbarer Teil der Arbeit bei der Rettung und dient der Psychohygiene – bei Rettungseinsätzen bekommen die Einsatzkräfte ja viel zu sehen, das nicht so leicht aus dem Kopf zu kriegen ist. Es geht darum, miteinander zu reden und Abläufe zu besprechen, auch um psychologische Hilfeleistungen, die von Kollegen leicht angenommen werden können.

Stressreaktionen müssen rechtzeitig erkannt werden

Außenstehende denken bei Rettungseinsätzen vor allem an zwei Faktoren: Stress und die Schwierigkeit, das Gesehene verarbeiten zu können. „Wer im Rettungsdienst arbeitet, ist schon ein eigener Menschenschlag“, schmunzelt Girsa. An Nachwuchs mangelt es nicht, ein Job bei der Wiener Berufsrettung ist begehrt, aber die Auswahlverfahren und Zugangskriterien sind streng. Und tatsächlich sind die Fähigkeiten, Stress bewältigen und den Kopf frei zu haben, unverzichtbare Eigenschaften für Einsatzkräfte. „Auch für uns Lehrer ist es wichtig, Stressreaktionen zu erkennen“, erklärt Girsa. Ob er sich selbst damit schwertut, nach Einsätzen abzuschalten? „Man sieht viel Leid, aber daran darfst du nicht verzweifeln.“ Es gehe darum, die positiven Dinge mitzunehmen – schon in die nächste Unterrichtsstunde.
Michael Girsa packt die Übungspuppe wieder in den Koffer und bereitet sich auf den Nachtdienst vor. Was wird heute geschehen? Er weiß es nicht, aber er ist sicher, darauf vorbereitet zu sein. Und das ist doch ein gutes Gefühl.

 

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